Wiehnachten in de School

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Auf das Hausmeister-Ehepaar Kock nimmt das Gedicht Bezug
 
Die neue Fuhlsbütteler Schule (rechts oben) ist ein typischer Schumacher-Bau, eröffnet 1924 Fotos: wb
Fuhlsbüttel. Es ist eine Stimme aus der Vergangenheit, ein Hauch der „guten, alten Zeit“. Knapp 90 Jahre zurück, als Fuhlsbüttel gerade mal zehn Jahre Hamburger Stadtteil war, als die niederdeutsche Sprache wie selbstverständlich zum Alltag auch in der Schule gehörte, war das Auswendiglernen noch Lehrmethode war. 1924 hatte Fritz Schumacher das neue Grundschulgebäude am Ratsmühlendamm fertigstellen lassen. Und irgendwann um diese Zeit setzten sich die Lehrerinnen Laban, Lauenstein, Parbs und Pommerenke zusammen, die einem literarischen Zirkel angehörten. Sie schrieben für die Weihnachtszeit ein Gedicht op Platt, das, wie die Schul-chronik berichtet, „die Schüler lange Jahre auswendig lernen mussten“. Jetzt tauchte es im Archiv wieder auf. Das Wochenblatt druckt die Fuhlsbütteler „Wiehnacht“ hier ab:

Im Gedächtnis

Offenbar erinnern sich noch viele der älteren Fuhlsbütteler daran. Peter Schroth, der heute die Grundschule leitet: „Immer mal wieder gehen bei uns Anfragen nach diesem Gedicht ein. Es ist zu der Zeit entstanden, als das Hausmeisterehepaar Kock in der Schule tätig war.“ Darauf wird in einer Zeile Bezug genommen, und auch einiges Lokalkolorit ist enthalten. Das Versmaß ist etwas rumplig, aber der Inhalt humorig. Berichtet wird vom Streit der Geschenke im Sack des Weihnachtsmannes – nicht von Playstation gegen iPod, sondern von Kasper gegen Hampelmann, denn 1924 waren Holzpuppen durchaus übliche Geschenke. (bcb)

Wiehnachten

Bi de Fuhlsbüttler Kark, an’n Knick,
hett de Wiehnachsmann stohn,
in’n dicken Pelzmantel mit’n Sack un’n grooten Dannenboom.
He kiekt no de Klock un brummelt so vör sik hin:
„O, is de Klock all so wiet,
Kinners, dat ward jo de heuchste Tid.
Dor mut ik jo lopen, all wat i kann.
Süh! Min Sack geiht all wedder open,
du verdreihte Hampelmann,
mok dat du rinkümmst in’n Sack,
is doch to dull mit so’n Näswis, so’n lüttjes Pack!
Un de Wiehnachsmann bin sin Sack mit’n deftigen Knuppen to.
De dor binnen kemen ober noch lang nich to Roh.
De Kasper, de Düwel, de Hampelmann,
de füng’n ganz sachte to danzen an.
De Püt un de Pann, de Tassen un Teller mokt de Musik.
Dat ward jümmer döller. De lüttjen Puppen fangt an to ween’n:
To Help, to Help, helpt uns denn keen?
Düwel, du peddst op min niegen Kopp,
Kasper, du treckst an min scheunen Zopp!
Wiehnachsmann knurrt: swiegt still alltosom,
wat schall denn ümmer de Narrenkrom.
Har ik den rechten Weg man erst funn’n,
geiht dat na de School nu den Karkenbarg dol?
Oder dor, gradut den Heschredder lang?
Över de Kark kiekt de Moon mit sin scheef Gesicht:
De School, Wiehnachsmann, de weest du nich?
Süh dor, den Heschredder geiht dat dol.
Denn findst du woll de Fuhlsbüttler School.
Sachte, sachte, fall man nich!
Sachte, sachte, geiht’s nu de Heschredder dol.
O, dor steiht’n scheunes nies Hus,
nu segg mi mol, is dat de School?
Ne, Wiehnachsmann, ne, seggt de ol Moon un lacht:
Dat is de Fühlsbüttler Post, hars woll nich dacht.
Gah man nu noch tein Schritt wieder dol,
dor liggt se all, de grote, nie Fuhlsbüttler School.
Kiek, dat kummt die mol scheun to pass, dor steiht Herr Kock,
de wist die de söbente Klass. Links rüm, achter in de Eck.
Is all’n beten duster, krieg man keen Schreck.
Wiehnachsmann knurrt: Un dorbi schall ick lesen,
ob de Kinners ordig wesen?
Wo is denn dat Klassenbook? So so, dor in de Schuvlod
De geiht fein op,un dor steiht dat ja ok.
Dat de Kinners sünn flietig und ordig wesen.
Jo, denn schall se wat heb’n ut den Sack.
So veel von de Kinner, de wohnt ok so wiet! Un ick heff keen Tied.
Och wat, ick pack allns in den Klassenschrank.
Beuker, Poppen un ok de Rut mit’n mang.
Lot Vadder un Mudder man komen, de söcht sik wat ut,
ik glöv, se langt doch na de Rut.
De Wiehnachtsmann nimmt sin Sack un geiht ut de Dör.
He hett hüt obend noch mächtig veel vör.

Nu is Wiehnachtsobend, ik stah nu hier
un much mol frogn,
hebt je ok wat rutholt ut den Schrank?
Is dor op den Tisch ok vör mi wat mang?
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