Zuschauen und träumen in Hamburg

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Klaus Siemers (l.) und Ulli Krohnstieg beim Fachsimpeln vor dem Kiosk

Die Brücke an der Holtkoppel ist ein Treff für Flugzeug-Fans und -Fotografen

Von Jörg Nitzsche
Hamburg. Sie kennen mehr Flugzeugtypen als so mancher Pilot. Die Kürzel der Airlines wissen sie aus dem Kopf. Sie sind weltweit vernetzt und liegen oft tagelang auf der Lauer, bis sie zum Schuss kommen. Vorm Auge funkeln die Objektive ihrer Kameras oder die Okulare der Ferngläser. Immer im Visier: seltene Flieger.

„Plane Spotter“ haben den besten Platz

Bei jedem Wetter sind sie da: die Flugzeug-Gucker, neudeutsch: „Plane Spotter“. Ihr Lieblingsstandort ist die Brücke über die Ortsumgehung. Wer erst mal den etwas umständlichen Weg durch die Kleinhaussiedlung zum Zielort Holtkoppel 100 gefunden hat, genießt hier zum einen den tollen Ausblick. Alles, was sich über die Start- und Landebahn 15/33 Alsterdorf/Norderstedt bewegt, kommt genau hier vorbei. Zum anderen gibt es auch etwas fürs Wohlbefinden: der Kiosk „Coffee to fly“ hat an allen Tagen bis 23 Uhr geöffnet.
Sie heißen Ralph, Klaus oder Ulli und ihnen macht keiner was vor. Sie kennen die lohnenden und die flauen Tageszeiten. Objekt der Begierde sind vor allem seltene Flieger wie der Transportgigant Antonov AN 225. Russische Flugzeugtypen sind generell gefragt, weil sie ausgemustert und rar werden. Aber auch über die modernen wie die A 380, die 777 und die Dreamliner und die neue 747-800 wird gern gefachsimpelt.
Auch Klaus Siemers und Ulli Krohnstieg treffen sich regelmäßig auf der Brücke, immer mit Fernglas und Kamera bewaffnet. „Wir sind ein loser Verbund von Klugscheißern, jeder weiß immer besser Bescheid als der andere“, sagt Krohnstieg und schmunzelt. Ab und zu komme auch mal ein richtiger Fachmann vorbei, ein Journalist der Fachzeitschrift Aero zum Beispiel, mit neuen Infos. Andere wieder haben Verwandte und Freunde, die bei Lufthansa oder Airbus arbeiten und Insiderwissen haben. Das Hobby verbindet.

Unterwegs mit Fernglas und Kamera

Ralph Reimers ist Rentner, wie viele hier, und er findet immer jemanden zum Quatschen. Wenn mal kein Flugzeug kommt, dann ist es hier trotzdem nie langweilig. Er sitzt gerne drinnen im Café, hier lässt es sich vor allem in den Wintermonaten aushalten. Mit seinem großen Fernglas verpasst er auch von innen nichts. Er hat sich auf der Website des Airports über jeden Flug informiert und weiß genau, was als Nächstes rein- oder rausgeht.

Weltweit vernetzt, um Bilder auszutauschen

Zuhause hat er seine eigene Luftflotte: Dutzende Modelle der Firma Herpa, Maßstab: 1:500. „Man kennt sich hier mittlerweile über viele Jahre, ein bisschen Fun haben, bisschen fachsimpeln“, sagt Ralph – das mögen die Plane-Spotter. Auffällige Bemalungen, Sonderlackierungen oder Werbe- und Charterflugzeuge mit wechselnden Bemalungen werden hier draußen gern geknipst.
Ein perfekter Schuss ist es geworden, wenn Flugzeugtyp, Bemalung, Seriennummer, Gesellschaft und Registriernummer zu erkennen sind. Wenn sie selbst mal nicht weiter wissen, dann holen sie ein schlaues Büchlein heraus oder sind mit den wichtigsten Apps auf ihrem Smartphone ausgerüstet.
Sie sind im Austausch weltweit vernetzt. Anfragen nach Bildern kommen aus allen Teilen der Welt. Ausgetauscht wird sich über das Portal www.aviation-friends-hamburg.de
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