Anlaufstelle Rosenhof

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Hans-Peter Steinhöfel und Jule Burow vom Rosenhof. Zur Zeit kommen die meisten der jungen Bewohner aus Afghanistan, Somalia und Ägypten Foto: Krause

Einrichtung ist mit 46 jungen Flüchtlingen mehr als ausgelastet

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn. Es ist noch nicht ein Menschenalter her, da gab es sie zu Tausenden in Deutschland. Sie hießen Hans, Fritz oder Gustav und hatten auf der Flucht aus Ostpreußen oder Schlesien den Abschluss an ihre Familie oder gar die Familie selbst verloren. Sie waren im aktuellen Amtsdeutsch „minderjährige unbegleitete Flüchtlinge“. Heute kommen sie aus Afghanistan oder Somalia, heißen Ibrahim oder Omar. Ihre Wege waren weiter, doch auch sie sind allein, hoffen auf Sicherheit und ein friedvollere Zukunft, bedürfen der Fürsorge. Die finden sie in Langenhorn im Rosenhof, nahe dem Flughafentunnel am Jugendparkweg. Jugendliche wie Omar. „Er war 13 Jahre alt, als die Taliban seinen Vater in Afghanistan töteten“ berichtet Jule Burow, die junge Sozialarbeiterin im Rosenhof. „Seine Mutter wollte verhindern, dass er von diesen Menschen rekrutiert wird. Deshalb verkaufte sie alles, was sie besaß und zog mit den jüngeren Geschwistern zu Verwandten. Omar aber, der sollte dahin gehen, wo er vor dem Zugriff der Taliban sicher leben kann. In ‚Germany‘ zum Beispiel. Omar spricht nur Dari, die Landessprache Afghanistans. Dennoch schaffte er es, versehen mit dem Verkaufserlös der Mutter, in den Iran zu gelangen. Zu Fuß, mit dem Bus oder im Pkw – immer in Angst vor Entdeckung, immer in Sorge um das eigene Leben. Weiter führte sein Weg in die Türkei, von dort über das Meer auf eine griechische Insel. Weiter aufs dortige Festland. Keine Reise mit passenden Anschlüssen, sondern immer wieder oft für lange Zeit unterbrochen. Abhängig von Schleppern und korrupten Beamten“.

Drei Monate zur „Erstversorgung“

Omar hat es letztlich bis nach Hamburg geschafft. Inzwischen ist er 16 Jahre alt. Drei Monate darf er im Rosenhof bleiben, nicht länger, denn hier wird lediglich „Erstversorgung“ durch den Träger, den „Landesbetrieb Erziehung und Beratung“ angeboten. Später erfolgt der Wechsel in eine Jugendgemeinschaftswohnung. Dort könnte er auch Ibrahim wieder treffen. „Der ist vor gut einem Jahr aus Somalia geflohen“, so Hans-Peter Steinhöfel, der Leiter der Erstversorgung am Rosenhof. „Als die al-Shabaab-Milizen versuchten, seiner habhaft zu werden, beschloss die Familie, dass wenigstens einer in Sicherheit leben soll. Auch hier wurden alle Mittel mobilisiert, damit Ibrahim vor den Milizen fliehen konnte. Sein Weg führte über Äthiopien, die Wüstenstraßen nach Libyen und dann, mit vielen anderen Flüchtlingen zusammengepfercht, in einer Nussschale nach Malta. Ibrahim hatte Glück – sein Boot kenterte nicht, irgendwie schaffte auch er es nach Hamburg.“
Ibrahim ist nun 17 Jahre alt. Er lebt mit 45 Jugendlichen im Rosenhof, der eigentlich nur für 34 Bewohner konzipiert ist. Da die Zimmer alle belegt sind, wird in der Turnhalle geschlafen und gewohnt. Damit fällt sie für sportliche Nutzung aus. Überhaupt – Rückzugsräume gibt es kaum, Spannungen können da nicht ausbleiben. „Ich bin richtig stolz darauf“, stellt Hans-Peter Steinhöfel fest, „wie gut dennoch das Zusammenleben hier klappt. Auch der Kontakt zu den Jugendparkanwohnern ist sehr gut. Wir haben sie anfangs zu einem ,Tag der offenen Tür‘ eingeladen. Heute grüßt man sich selbst bei spärlichsten Deutschkenntnissen freundlich. Fremdenfeindlichkeit haben wir in unserem Umfeld nie feststellen können. Im Gegenteil.“

Helfer gesucht

Sie seien mehrfach schon gefragt worden, ob sie und die jungen Asylbewerber Unterstützung benötigten. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Tagsüber wird die Schule besucht oder es werden im Rosenhof Deutschkurse belegt. Arbeiten – zum Beispiel im Garten eines Anwohners – dürfen die Jugendlichen nicht, so gern sie das in ihrer Freizeit gegen ein Taschengeld auch täten. Aber viele wünschen sich Hilfe beim Erlernen der deutschen Sprache – ein gebrauchtes Fahrrad würde die Mobilität verbessern. Der Rosenhof hat aus früheren Jahren noch eine komplette Metallwerkstatt. Ganz toll wäre es, wenn ein handwerklich geschickter Rentner dort gemeinsam mit den jungen Bewohnern zum Beispiel gespendete Räder reparierte.
Kontakt zum Rosenhof: tel. 53 32 97 11
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