Mein neuer Freund der Fahrradhelm

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Ach tat es gut, diesen kühlen Wind auf der Haut zu spüren, zu spüren, wie die Locken vom Wind durch die Luft getragen wurden. Das Gefühl des Fliegens und der Freiheit überkam mich und lächelnd trat ich noch ein wenig schneller in die Pedale. Aus diesem schönen Moment wurde ich ruckartig herausgeholt, als ich neben mir ein lautes „Hey“ vernahm. Erschrocken drückte ich die Bremsen durch. Mein Hinterrad schob sich in die Luft und ich sah den Asphalt plötzlich nicht mehr mit nettem Abstand, sondern senkrecht vor mir. Zum Glück entschied sich mein störrisches Hinterrad just in dem Augenblick, sich wieder so auf die Straße zu stellen, dass ich mein Gleichgewicht wiederfand.

Da ich vor dem Bremsen noch ein Stück nach vorne gefahren war, sah ich die Person erst, als ich meinen Kopf nach hinten drehte. Ich sah eine ältere Dame mit ihrem kleinen Hündchen an der Leine, die sich ebenfalls zu mir gedreht hatte. Irritiert drehte ich mein Rad und fuhr ihr entgegen. Freundlich grüßte sie mich, aber dann machte sie sich mit einem vorwurfsvollen Blick über mich her, wie ich denn nur ohne Helm fahren könne, es wäre doch viel zu gefährlich, zu ihrer Zeit hätte jeder noch einen Schutzhelm tragen müssen. Ich glaube ich wurde ein bisschen rot während sie sich beschwerte und im gleichen Augenblick war mir klar, ich würde ihr nicht sagen, dass es ohne Helm einfach viel schöner und freier ist. Betreten wünschte ich noch einen guten Tag und fuhr weiter, aber es war anders. Die ganze Zeit dachte ich über die harten aber gut gemeinten Worte der Dame nach.

Man weiß nie was kommt


Aufgrund der anklagenden Bemerkung von der Spaziergängerin, die ich auf meiner Radtour getroffen habe, habe ich versucht, mich ein bisschen darüber schlau zu machen, wie das mit dem Fahrradhelm denn so aussieht. Im Grunde kam ich zu dem Schluss, dass man sich nicht einig ist. „Toll“ dachte ich „ was mache ich den jetzt?“ Entscheidungen zu treffen, ist einfach nicht meine Stärke und schon gar nicht, wenn Herz gegen Verstand argumentiert. Ich las einerseits, dass es nicht direkt verboten war, aber dann die ganzen Berichte, wie schnell auf der Straße etwas passieren kann. Und dann kann man sprichwörtlich ganz schön Tief im Dreck stecken je nach dem, wie man vom Fahrrad absteigt.

Doch dann las ich den Bericht von einer Sabine Lühr-Tanck und begann mich zu fragen, wie es denn nun wirklich ist mit dem Helm. Ob Pflicht oder Wahl. Die eben erwähnte Frau war nämlich ohne Fahrradhelm von ihrem Haus aus zur Arbeit gefahren. Für sie ein gewohnter Weg und gerade dann kann man sich auf seinen zwei Rädern ja wirklich sicher fühlen, wie man denken mag. Bei Frau Lühr-Tanck kam dann aber alles anders. Ein Auto hielt an einer Stelle wo es das nicht mal durfte, und im schlechtesten Augenblick für Frau Lühr-Tanck wurde die Autotür von innen geöffnet. An alles weitere kann sich Sabine Lühr-Tanck nicht mehr erinnern. Nicht an den Aufprall auf der Straße, nicht an die Geräusche des zu Boden fallenden Fahrrads und auch nicht an den eintreffenden Krankenwagen.

Opfer finden nicht immer Verständnis


Für außen Stehende sieht es ganz nach einem schrecklichen Unfall auf Kosten von Sabine Lühr-Tanck aus. Auch für mich war völlig klar, wer schuldig ist, als ich diesen Bericht las. Ich denke, das gehört irgendwie zu dem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden dazu, dass man Mitleid mit der Geschädigten hat und ihr nur das Beste wünscht. Schließlich ist sie die jenige, die noch heute nicht so gut arbeiten kann wie zuvor, und nicht mehr schmecken kann was sie gekocht hat oder riechen, wie jetzt der Frühling wieder kommt und nach und nach die Blumen wieder anfangen, ihren ganz eigenen Duft abzusondern. Gerade deshalb war ich schockiert, als in den folgenden Zeilen des Berichts stand, dass die Versicherung der Autofahrerin nicht die gesamten Kosten übernehmen möchte. Hier hilft nur der Gang zum Advokaten. Der angegebene Grund der Versicherung: Frau Lühr-Tanck hätte sich nicht so verletzt, wenn sie an dem Tag auf der Radfahrt zur Arbeit ihren Schutzhelm getragen hätte.

Diese Sache mit dem Schutzhelm ist wirklich eine heikle Angelegenheit. Denn eigentlich gibt es in Deutschland keine Helmpflicht aber der Fall von Frau Lühr-Tanck zeigt, dass überall anders damit umgegangen wird. Da das nicht der einzige Bericht war den ich gelesen habe, weiß ich auch, dass andere voll entschädigt werden und volles Verständnis genießen. Allerdings hatte die Dame die mich ansprach schon Recht, dass es sicherer wäre, immer einen Helm zu tragen. Auch wenn ich mir im Inneren denken mag, dass ich den Weg doch schon in- und außenwendig kenne.
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