Hamburg: „Zustände sind unerträglich“

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Beklagt zu kleine Räumlichkeiten und einen versprerrten Notausgang: Norbert Stindt Foto: mb

Geschichtsgruppe Dulsberg beklagt Platzmangel nach Renovierung

Von Melanie Bobrich
Hamburg. Während die Räumlichkeiten des „Seniorentreffs Dulsberg“ nach der abgeschlossenen Renovierung Anfang April im neuen Glanze erstrahlen, ist für die Geschichtsgruppe Dulsberg nichts mehr, wie es war: Dem Verein wurde ein nur etwa 15 Quadratmeter großer Raum zugewiesen – ohne Lüftung und ausreichend Stellfläche. Lediglich ein Fenster, das sich in einen weiteren Raum öffnen lässt, soll für Frischluft und Tageslicht sorgen. Vor dem Umbau stand der Gruppe, die 1986 gegründet und sich im Jahre 1993 als Verein konstituiert hat, mit rund 30 Quadratmetern mehr als doppelt so viel Fläche zur Verfügung. Zudem ist der Raum nur über eine Treppe erreichbar. Ein behindertengerechter Zugang sei laut Norbert Stindt, Vorsitzender der Geschichtsgruppe, nicht gegeben.

Notausgang versperrt

„Wo sollen wir denn hier unsere Archivschränke oder Schreibtische unterbringen“, fragt sich Stindt jetzt. Auch einen Platz für den Laserdrucker gibt es nicht, da keine ausreichende Belüftung gegeben sei. „Das würde doch jeder arbeitsschutzrechtlichen Richtlinie widersprechen, wenn wir direkt neben dem Laserdrucker sitzen“, so Stindt verzweifelt. Zudem versperre bei geöffnetem Zugang die Eingangstür den Notausgang. Zudem sei das „Büro“ nicht mal abschließbar. Dies sei aber erforderlich für die Inventarversicherung. So sind Akten, Büromöbel und andere wichtige Materialien in einem kleinen Raum, einem sogenannten Self-Storage, am Friedrich-Ebert-Damm, eingelagert.
Aussicht auf Besserung gebe es erst einmal nicht: Zwar hatte die Gruppe ein geeignetes Ladenlokal gefunden, doch die Mietkosten von rund 10.000 Euro im Jahr wollte der Bezirk nicht übernehmen. Ein entsprechender Antrag wurde vorerst abgelehnt. Die Gruppe erhält jährlich 4.000 Euro institutionelle Förderung aus dem Quartierfonds. Man muss sich vorerst wohl oder übel mit den Räumlichkeiten arrangieren.
Zwar profitieren die Mitglieder auch von den Umbauten, einer großen und hellen Küche und modernen Sanitäranlagen, doch ein schaler Nachgeschmack bleibt. Gerade diesen Umbauten fiel ihr bisheriges Platzangebot zum Opfer. Der Keller unter dem Seniorentreff ist stark sanierungsbedürftig und somit ebenfalls nicht nutzbar. Bei den Beteiligten, die unter anderem Rundgänge durch Dulsberg zu verschiedenen meist historischen Themen anbieten, herrscht Unverständnis: Ihre Gruppe leiste wichtige Arbeit als „Gedächtnis des Stadtteils“, warum können keine angemessenen Räumlichkeiten bereitgestellt werden? „Wer unsere ehrenamtliche Arbeit nicht zu schätzen weiß, nimmt den kommenden Generationen die Geschichte“, so Stindt. Im Mai soll auf der Mitgliederversammlung über das weitere Vorgehen beraten werden. Dort sei alles offen - auch eine mögliche Schließung der Gruppe.
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