„60 Kilo auf 40 Tonnen“

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Eine Truckerin erzählt am 8. März in Norderstedt aus ihrem Leben

Von Claudia Blume
Norderstedt
Regina Lidlgruber ist Truckerin aus Leidenschaft. 20 Jahre steuerte die 49-Jährige Maschinen und Stahl mit ihrem Truck quer durch Europa. Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März kommt die Österreicherin auf Einladung der Gleichstellungsstelle nach Norderstedt und liest um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Norderstedt-Mitte aus ihrer Biografie „Die Frau im Truck – 60 Kilo auf 40 Tonnen“. Karten für 8 Euro inklusive Imbiss gibt es in der Bücherei, an bekannten Vorverkaufsstellen und unter kartenbestellung@norderstedt.de. Das Wochenblatt sprach vorab mit der „Exotin“ in einer Männerwelt.

Wochenblatt: Frau Lidlgruber, Lkw-Fahrerin ist nach wie vor ein untypischer Frauenberuf. Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Regina Lidlgruber: Eigentlich wollte ich früher immer Kfz-Mechanikerin werden, doch die Familie war dagegen. Hinzu kam, dass es vor über 30 Jahren auch keine Ausbildungsstellen für Mädchen gab. Also habe ich den Lkw-Führerschein gemacht, um doch mit Motoren arbeiten zu können. Dazu kam mein großes Fernweh.

WB: Haben Sie es stillen können?
Lidlgruber: Auf jeden Fall. Ich war von Schweden bis Italien und von Portugal bis Weißrussland unterwegs, habe viele Länder und Menschen kennengelernt.

WB: Sie sind selten im Team gefahren, sondern waren meistens alleine im Führerhaus. Gab es einen „Frauenbonus“ in der Männerwelt?
Lidlgruber: Im Ausland haben mir Polizisten tatsächlich öfter einen Teil der Bußgelder erlassen. Aber sonst musste ich mich ständig beweisen. Für meinen ersten Job habe ich mich 120 Mal beworben! Nach einem Unfall wurde mein Gehalt um 300 Euro gekürzt, während männliche Kollegen ungeschoren davon kamen. Beim Auf- und Abladen wurden Wetten abgeschlossen, ob ich den Lkw korrekt an die Rampe bringe oder 1000-Kilo-Paletten alleine bewege. Ich konnte. Hilfe war ohnehin Fehlanzeige. Auch bei Reparaturen hieß es ‚selbst ist die Frau’.

WB: Sind Sie mal Opfer eines Überfalls geworden?
Lidlgruber: Für manche Fahrer gelten Frauen generell als Freiwild. Sprüche wie ‚Frauen gehören nicht hinters Lenkrad’ sind noch harmlos, aber angetrunken kann die Stimmung schnell umschlagen. Am Anfang meines Berufslebens bin ich auf einem Parkplatz zusammengeschlagen, ein anderes Mal mit Gas betäubt und überfallen worden. In der Trucker-Branche ist es gefährlich fraulich auszusehen. Als burschikoser Typ waren für mich Röcke ohnehin tabu und lange Hosen angesagt. Um weniger aufzufallen, habe ich meine Haare immer unterm Käppi versteckt.

WB: Warum haben Sie die Diskriminierungen und Einschränkungen so lange ertragen?
Lidlgruber: Zum einen war ich auf Gehalt angewiesen, weil mein Ex-Freund mir einen riesigen Schuldenberg hinterlassen hatte. Der ist heute restlos abgetragen. 20 Jahre kein Urlaub, keine Extras, nur arbeiten und sparen. Zum anderen, weil ich mit Leib und Seele Truckerin bin. Mit meinen Büchern möchte ich um Verständnis für die Nöte der Fernfahrer werben, zum Beispiel bei der Parkplatzsuche im Stadtverkehr.
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