Ausgezeichnete Oldies

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Im Hintergrund die YX600 Radian in Originaloptik, im Vordergrund die von Georg Betzel mit viel Liebe und Kreativität gestaltete Maschine. Dafür wurde der Langenhorner jüngst mit dem „Best of Caferacer“ Preis ausgezeichnet Foto: Krause
 
Einige der Pokale, die Georg Betzel schon gewonnen hat Foto: Krause

Langenhorner Georg Betzel restauriert seltene Motorräder – und holt Preise

Langenhorn Wenn er vorbeifährt, drehen sich viele nach ihm um. Die Kenner wissen: Es sind ungewöhnliche und seltene Motorräder, auf denen der Langenhorner Georg Betzel unterwegs ist. Damit holte der Hobbyschrauber sogar Auszeichnungen. Im Jahr 1887 erhielt Torakusu Yamaha den Auftrag, das amerikanische Harmonium der Grundschule von Hamamatsu zu reparieren. Er war von der Konstruktion so fasziniert, dass er für sich ein ähnliches Instrument baute. Zwei Jahre später gründete er die Torakusu Yamaha Company. 1892 verkaufte seine Firma bereits 78 Instrumente. Heute ist Yamaha ein Mischkonzern: Millionen Menschen musizieren auf Yamaha-Instrumenten – und für Motorradfans ist der Klang ihrer Yahama-Maschinen gleichfalls wie Musik.
Einer davon ist der Langenhorner Georg Betzel. Anfang 2014 waren in Deutschland 566.762 Yamaha-Krafträder zugelassen; Betzel hat zwei davon. Allerdings sind es Räder, die nie für den deutschen Markt bestimmt waren und einen langen, an Blessuren reichen Weg von ihrem Bestimmungsland USA nach Deutschland hinter sich haben. „Ich fahre seit meinem 18. Lebensjahr Motorrad“, berichtet Betzel „und schon meine erste Maschine war eine Yamaha. Repariert habe ich im Rahmen meiner Möglichkeiten seitdem immer selbst.“
Was Georg Betzel aber seit fünf Jahren umtreibt, könnte mit der Faszination des Firmengründers Torakusu Yamaha verglichen werden. „Damals“, so der Logistikfachmann, „habe ich plötzlich eine künstlerische Ader in mir entdeckt. Ich wollte nicht mehr nur beschädigte Teile rekonstruieren, sondern – auf Bestehendes aufbauend – neu gestalten. So bin ich von der ersten YX600 Radian zur zweiten Maschine gekommen, an der ich meine Pläne verwirklicht habe“. Damit hat sich der Langenhorner einer ganz besonderen Herausforderung gestellt. Wenn auch Yamaha in Deutschland einen Marktanteil von etwa 14 % hat – sein erklärter Lieblingsmaschinentyp ist hier eine extreme Rarität. Denn die fast 200 kg schweren, 60 PS starken Maschinen wurden nur im Zeitfenster 1986 bis 1991 für den US-Markt hergestellt. Einige gelangten später über die Niederlande nach Deutschland.
So auch die erste YX600 Radian, Baujahr 1986. Nach drei Vorbesitzerinnen ist Georg Betzel der erste Mann, der sich des arg vernachlässigten Motorrades annahm und in liebevoller Kleinarbeit dafür sorgte, dass die „alte Dame“ technisch und optisch fast in einem Zustand ist, als wäre sie eben vom Band gelaufen. Doch bevor es nach elf Jahren Stillstand zum ersten Straßenkontakt kam, galt es eine weitere Hürde zu nehmen. Denn für die Yamaha YX600 Radian gab es in Deutschland keine Allgemeine Betriebserlaubnis, ohne die der TÜV keine Zulassung erteilt. Auch diese Hürde meisterte der Langenhorner.
Den engen Kontakt zum TÜV behielt er bei, denn sein zweites Projekt, die freihändige Umgestaltung einer wohl von einem US-Soldaten in Deutschland zurückgelassenen YX600 Radian machte das unerlässlich. „Hier kam es darauf an, meine Design-Vorstellungen so umzusetzen, dass jederzeit eine Zulassung in Deutschland möglich war. Mein technisches Wissen habe ich mir im Kontakt mit Fachleuten erarbeitet. Über die Schulter schauen und anpacken, das ist meine Devise“, sagt Betzel.
Das Ergebnis: Sowohl die original restaurierte Maschine wie auch die von Betzel gestaltete YX600 Radian sind Hingucker. Besonders bei Insidern. Die krönten die Leistung bei den Hamburger Motorrad Tagen 2015 mit dem Preis „Best of Caferacer“! (fjk)
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