Das Gestern wird beerdigt

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Fototermin am Bestattungsforum: 60 Fachleute und interessierte Bürger nahmen am ersten Workshop „Nachhaltigkeitsstrategie Ohlsdorf 2050“ teil Foto: fjk

„Ohlsdorf 2050“: Experten und Bürger ringen um Zukunft des Parkfriedhofs

Ohlsdorf Der Ohlsdorfer Friedhof könnte bald umfassend umgestaltet werden. Ein Symposium von rund 60 Stadtentwicklungsexperten und Bürgern hat bei einem ersten Treffen Varianten der künftigen Nutzung besprochen. Darunter auch die Möglichkeit, eine Fläche von 100 Hektar als Naturparadies oder für Spielplätze umzufunktionieren. Grund für die Gespräche sind zunehmenden Probleme der Friedhofsverwaltung die großen Flächen des weltweit größten Parkfriedhofs wirtschaftlich zu unterhalten.
Seit rund 20 Jahren sinkt die Zahl der Beisetzungen in Ohlsdorf. Im vergangenen Jahr waren es nur 4200 Bestattungen, 1995 gab es noch 7300 Beisetzungen. Zudem wird durch Trends wie Feuerbestattungen und Urnengräber in „Friedwäldern nicht mehr so viel Platz pro Bestattung gebraucht wie bei einer Sargbeisetzung. In Hamburg liegt der Anteil von Feuerbestattungen bei 80 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 60 Prozent. Eine Urne benötigt jedoch lediglich 12,5 Prozent des Platzes, der für einen Sarg erforderlich ist. Der Friedhof, der seit seiner Eröffnung im Jahr 1877 mit der wachsenden Stadt mitgewachsen ist, ist heute einfach zu groß.

Kritiker startet Petition


Viele Teilnehmer des Symposiums befürworten eine Verkleinerung der Grabflächen, es gibt aber auch Gegenstimmen. Rafael Meckbach alias „Frater Rafael“ und „freischaffender Seelsorger“ fordert mit einer Petition nicht nur den Status quo zu behalten, sondern sondern den Rückgang mit längeren Ruhezeiten auszugleichen. Die Überschrift „Nachhaltigkeitsstrategie Ohlsdorf 2050“ machte deutlich, in welchen zeitlichen Dimensionen gedacht wird. Zudem ist bei der Planungswerkstatt die Beteiligung von Bürgern ausdrücklich erwünscht. Ideen aus anderen Städten sind vorhanden: So gibt es in Karlsruhe einen Spielplatz auf einem Friedhof. Denkbar wäre auch die Bestattung von Tieren im Grab des Besitzers, so macht es die Stadt Essen. Ziel von „Ohlsdorf 2050“ ist es, den Friedhof langfristig als Grabstätte und als Naherholungsgebiet zu erhalten, so wie ihn schon sein Gründer Wilhelm Cordes konzipierte. (fjk)
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