Der Redner mahnt wieder

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Der neue „Redner“ ist aus Bildhauer-Beton Foto: Krause

Gestohlene Bronzeplastik im Ehrenhain der Widerstandskämpfer ersetzt

Ohlsdorf „Der Redner“ war eines der ersten Opfer einer Buntmetall-Mafia auf dem Friedhof Ohlsdorf. Richard Steffen hatte ihn 1968 für den Ehrenhain der 55 Mitglieder des Widerstandes geschaffen, die von den Nationalsozialisten in Hamburg hingerichtet wurden oder infolge ihrer Haft starben. Als der Friedhof im März 2011 den dreisten Diebstahl meldete, waren das Medienecho und die Empörung in der Stadt groß. Nun wurde eine neue Figur unter reger Beteiligung der Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten enthüllt.

Figur neu gestaltet


Die Figur ist kein Neuabguss der entwendeten Statue, sondern ein neu gestaltetes, eigenständiges Kunstwerk. „Zwar ist die alte Form des ‚Redners‘ noch vorhanden,“ so Holger Andresen, Vorsitzender des Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V., von dem die Initiative zur Neugestaltung ausging, „doch die Gesamtkosten eines neuerlichen Abgusses waren für unseren kleinen Verein unrealistisch hoch.“
Die Bildhauer Henning Hammond-Norden und Ulrich Beppler, beide im Vereinsvorstand, wussten einen Ausweg: „Wir haben gemeinsam einen Entwurf vorgelegt, der von allen Seiten akzeptiert wurde.“
„Alle Seiten“, das waren besonders die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in Hamburg, die sich den im Ehrenhain bestatteten in besonderer Weise verpflichtet fühlt, sowie die Friedhofsverwaltung und der Förderkreis. Gemeinsam mit Spendern hat der Förderkreis auch die Kosten für das neue Kunstwerk übernommen. Das ist übrigens für Diebe uninteressant: „Wir haben bewusst Bildhauerbeton gewählt“, so Beppler, „dieses Material eignet sich ganz besonders gut dazu, die feinen Strukturen der von uns geformten Tonplastik detailgetreu wiederzugeben. Und witterungsresistent ist es auch.“ Gut 100 Gäste aus dem In- und Ausland wohnten der Enthüllung des neuen „Redners“ bei; Angehörige der Opfer gaben bewegende Berichte.

Feierlich eingeweiht


Die Moderation lag bei Georg Chodinski; Lutz Rehkopf sprach für die Friedhofsverwaltung. René Buschmann stellte Lieder des Widerstandes vor, die einige der Teilnehmer mitsangen. Rote Fahnen und rote Nelken komplettierten das Bild. „Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus“ dieses Motto, 70 Jahre nach Kriegsende, versöhnte auch die Teilnehmer, die von der übermächtigen Präsenz der roten Banner irritiert waren. (fjk)
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