Erinnerung an Kultfigur

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Im Garten der Frauen auf Ohlsdorf wird an viele außergewöhnliche Frauen, die in Hamburg wirkten, erinnert. Hier hat auch Domenica Niehoff einen Platz Foto: Krause
 
Domenica Niehoff, porträtiert von ihrem Freund, dem Fotografen Günter Zint

Friedhof Ohlsdorf: Garten der Frauen eröffnet Ausstellung über Domenica Niehoff

Ohlsdorf Ihren zeitweise legendären Namen verdankte sie ihrem Vater, einem italienischen Eisverkäufer – ihren Ruf ihrer unübersehbaren Weiblichkeit. Auf die Frage, wie sie gerne abgebildet sein möchte, antwortete die einst bekannteste Prostituierte Hamburgs aber dennoch: „Im Rathaus und hochgeschlossen.“
Als sie 2009 verarmt in derHansestadt starb, widmeten ihr die überregionalen Zeitungen in ganz Deutschland Nachrufe. War sie es doch gewesen, die zu Beginn der 80er-Jahre aus dem Hinterzimmer der Prostitution in die Öffentlichkeit getreten war, um für die Rechte der Huren und die Legalisierung der Prostitution einzutreten.
Promis und solche, die sich dafür hielten, ja selbst Politiker versuchten von ihrer Popularität und unübersehbaren Medienpräsenz zu profitieren. 1990 stieg sie endgültig aus dem Milieu aus. Obwohl sie sich für die Akzeptanz der Huren stark machte, sah sie klarsichtig die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen und Ausbeutungsverhältnisse in dem Gewerbe. „Sie war wütend auf diejenigen, die die Prostitution glorifizierten“, erinnert sich der Fotograf Günter Zint, mit dem Domenica eng befreundet war.

Streetworkerin


1991 begann Domenica, als Streetworkerin in Hamburg-St. Georg zu arbeiten. Sie war Mitinitiatorin des Hilfsprojektes „Ragazza e.V.“ und betreute bis 1997 drogenabhängige Mädchen auf dem Straßenstrich.1998 eröffnete Domenica eine Kneipe am Hamburger Fischmarkt, die sie bis zum Jahr 2000 betrieb. Nach dem Tod ihres Bruders 2001 lebte sie in dessen Haus in Boos in der Eifel, bevor es sie 2008 wieder auf den Hamburger Kiez zurückzog. „Auf St. Pauli bist du niemals allein“, begründete sie ihre Rückkehr.
Dort wohnte sie in der Talstraße und war bis zu ihrem Tod immer wieder Anlaufstelle für Bedürftige. Sie starb an einem Lungenleiden.
Domenica Niehoff versuchte oft mit eigenen Mitteln zu helfen. Nicht immer wurde es ihr gedankt. „Sie war sehr eigen und ein bisschen chaotisch“ - so charakterisierte sie Krista Sager, seinerzeit stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. „Man konnte sie nicht in Schubladen pressen.“
Geld für ihre Beerdigung hatte sie nicht hinterlassen. Freunde sammelten Geld für eine würdige Trauerfeier, für die Frau, die viele „das Herz von St. Pauli“ nannten. Der Verein „Garten der Frauen“ nahm die Urne auf und der Bildhauer Ulrich Beppler spendete das von ihm gestaltete Grabmal. Auf dem Stein liegt ein Akanthusblatt. Es ist seit der Antike das Symbol dafür, dass eine schwere Arbeit vollbracht wurde.
Das Portrait auf dem Stein zeigt Domenica Niehoff so, wie selbst gesehen werden wollte – hochgeschlossen. Dieser ungewöhnlichen Frau widmet der Verein „Garten der Frauen“ seine diesjährige Ausstellung im Wasserturm, zu der Günter Zint viele Fotos und Dokumente beigesteuert hat. (fjk)

Sonntag, 3. Mai, 15 Uhr: Ausstellungseröffnung „Domenica Niehoff – Kämpferin für die Rechte der Huren, Streetworkerin, St. Paulis großes Herz 3.08.1945 Köln - 12.02. 2009 Hamburg-Altona“ Die Ausstellung ist an jedem Sonntag bis zum 27. September von 14 – 17 Uhr im historischen Wasserturm an der Cordes-Allee auf dem Friedhof Ohlsdorf geöffnet
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