Film-Set auf dem Friedhof

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Schauspielerin Lavinia Wilson, hier bei einer Drehpause in Ohlsdorf, ist im Film Simons Mutter Foto: now

„Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut“ im Winter im NDR zu sehen

Von Stefanie Nowatzky
Ohlsdorf
Friedhof Ohlsdorf, Kapelle 13: Wo sonst Ruhe herrscht, ist heute viel Betrieb. In einem Seitenraum der Kapelle werden die letzten Szenen einer Komödie gedreht - im Rahmen des neuen „Nordlichter“-Förderprojektes. „Gefördert werden Talente aus der Region, die moderne und eigenwillige norddeutsche Genre-Geschichten erzählen. Wir wollen den Nachwuchs fördern und freuen uns, dass wir viele Anträge von Absolventen der Filmschulen haben“, sagt Eva Hubert, Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, einer von drei Partnern für das Projekt. Gemeinsam mit dem NDR und der nordmedia-Film - und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen will Hubert jährlich Filme unterschiedlicher Genres fördern.
Schon der Titel des ersten Langfilmes von Viviane Andereggen (Regie) und Georg Lippert (Buch), beide Absolventen der Hamburg Media School, ist etwas anders: „Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut“. 25 Tage haben die beiden mit ihrem Team bereits in Hamburg gedreht und erzählen mit ihrem humorvollen Film die Geschichte des zwölfjährigen Simon Grünberg (Maximilian Ehrenreich). Seine Eltern haben sich gerade erst getrennt, Mutter Hannah (Lavinia Wilson) kommt mit dem immer gläubigeren Vater Frank (Florian Stetter) nicht mehr zurecht und schreibt statt dessen erotische Frauenromane. Weil Frank die jüdischen Regeln stärker im Alltag praktizieren will, soll auch Simon mitziehen - und sich beschneiden lassen. Doch Simon will nicht, und erst, als er sich in die neue Rabbinerin Rebecca (Catherine De Léan) verliebt, ändert sich für ihn alles. „Simon muss Jude sein, interessiert sich aber dafür gar nicht so richtig. Und am schlimmsten ist für ihn die Beschneidung“, erzählt Simon-Darsteller Maximilian. Der Zwölfjährige steht schon seit drei Jahren für unterschiedliche Produktionen vor der Kamera und spielte zwei Jahre am Berliner Kindertheater. Seine Filmmutter Lavinia Wilson ist begeistert: „Die Chemie zwischen uns stimmt, und das ist gerade bei der Arbeit mit Kindern wichtig“. Allerdings bestehe immer die Gefahr, dass die Kinder den Erwachsenen Schauspielern die Show stählen, schmunzelte die Schauspielerin in einer Drehpause. Sie weiß, wovon sie spricht: Schon mit elf Jahren stand sie im Kinofilm „Leise Schatten“ vor der Kamera. Der 35-jährigen Grimme-Preis-Trägerin gefällt der „unerschrockene und auch zärtliche Humor“, mit dem Jungregisseurin Andereggen den Film inszeniert hat. „Alle Religionen bieten Ansätze für Satire. Dass die Regisseurin selbst einen jüdischen Hintergrund hat, war mir bei so einer Komödie aber wichtig.“
Der Film ist der erste in einer Reihe von vier norddeutschen Komödien und soll voraussichtlich im Winter 2015 vom NDR in der Nachwuchsreihe „Nordlichter“ gezeigt werden. Und Maximilian? Der junge Berliner gibt bereits gekonnt Interviews und macht kein Hehl daraus, dass Filmen für ihn das Größte ist. „An der Schule habe ich jetzt eine Film-AG gegründet“, erzählt der Sechstklässler.
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