Grabpflege zum Erinnern

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Paula (14) und Lewin (15), Klassensprecher der 9. Klassen der Albert-Schweitzer-Stadtteilschule Foto: Krause

Neues Projekt der Albert-Schweitzer-Stadtteilschule

Ohlsdorf An der Sorbusallee, in der Nähe der Kapelle 13, liegt das Gräberfeld der internationalen Opfer von Krieg und Gewalt. Kleine Kissensteine in jahreszeitlicher Blumenbepflanzung nennen Namen und geben Auskunft über die Daten der hier bestatteten Menschen. Svenja Thakmann und Thomas Schiffers, Klassenlehrer der 9. Klassen der Albert-Schweitzer-Stadtteilschule in Klein Borstel, beschäftigen sich in diesem Jahr mit ihren Schülern intensiv mit den beiden Weltkriegen. Zunächst schilderte ihnen ein Zeitzeuge, auf Vermittlung von Nele Maya Fahnenbruck vom Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VB), die Schrecken der Operation Gomorrha im Sommer 1943 in Hamburg. Daraus entstand der Wunsch, sich eingehender mit den Opfern zu beschäftigen.

Historischen Ort erleben


Erster konkreter Schritt war ein Grabpflegetag auf Ohlsdorf. „Wir verfolgen hier gleich drei Ziele“, so Lehrer Thomas Schiffers (31) „Es geht darum, einen historischen Ort zu erleben, an dem die Opfer von damals bestattet sind. Gleichzeitig soll die Grabpflege ein Beitrag zum aktiven Erinnern sein, das einmündet in eine ganz persönliche Beschäftigung mit Menschen, deren Namen auf den kleinen Steinen stehen.“ Die Schüler haben nicht nur gärtnerisch gearbeitet, sondern sich drei Namen notiert. Burkhard Düvel vom VB recherchiert, ob zu den ausgewählten Opfern schon biografische Daten erarbeitet wurden. Wenn nicht, dann ist es Aufgabe der Neuntklässler, hier in die Tiefe zu gehen und die Menschen hinter den Daten zu suchen. „Das“, finden die beiden Klassensprecher Paula (14) und Lewin (15) „hat einen konkreten Bezug zur Gegenwart.“ Denn sie erleben aktuell, wie Krieg und Gewalt Menschen zwingt, ihre Heimat zu verlassen. „Auch meine Familie“, so Paula, „ist 1945 aus Schlesien geflohen. Als sie hier ankamen, waren nicht alle begeistert. Das ist noch nicht lange her. Nun flüchten wieder Menschen zu uns und wieder gibt es Leute, die sich gegen die Flüchtlinge stellen. Das ist schlimm.“ (fjk)
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