Kostenlose App als Gehörtrainer

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Die kostenlose Trainings-App wurde für Patienten mit einem Cochlea Implantat entwicklet. Die Textpassagen sprach der Hamburger Schauspieler Bjarne Mädel Foto: nik

Programm für Hörgeschädigte wurde an der Asklepios-Klinik Heidberg entwickelt

Von Nicole Kuchenbecker
Hamburg-Langenhorn
Mal ehrlich: Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, wie sich eine Toilettenspülung anhört? Oder wie es klingt, wenn man sich die Zähne putzt? Diese Alltagsgeräusche sind für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit. Doch nicht für Menschen mit einem Cochlea Implantat. Sie müssen das Hören erst wieder erlernen. Eine App, die im Asklepios Klinikum Heidberg entwickelt wurde, kann dabei nun helfen. In Deutschland leben heute rund 40 000 Menschen, die mit einem Cochlea Implantat (CI) versorgt wurden. Und jedes Jahr steigt die Zahl der Patienten um mehr als 1000 an. Dabei sind es nicht nur ältere Menschen, die schlecht hören können. „Schwerhörigkeit und auch Taubheit betrifft alle Altersklassen“, sagt Dr. Oliver Niclaus, Oberarzt der Abteilung für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Asklepios Klinik Nord – Heidberg, „von taub geborenen Kindern über Menschen, die durch Infektionserkrankungen, Unfälle oder Lärmbelastung ihr Gehör verlieren bis hin zu Hochbetagten, die von Altersschwerhörigkeit betroffen sind.“ Die App soll nun beim täglichen Training helfen, sich wieder an das Hören heranzuwagen. Dabei wirken die Übungen wie ein Quiz, denn man wird aufgefordert, das Geräusch anzuklicken, das man hört. „In der App werden den Übenden Geräusche, gesprochene Wörter und Sätze vorgespielt und vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben, aus denen eine ausgewählt werden muss“, sagt der Oberarzt, „die Übungen sind so konzipiert, dass je nach bereits vorhandener Hörfähigkeit unterschiedliche Schwierigkeitsgrade ausgewählt werden können. Die Differenzierung erfolgt dabei durch die Aussprache und durch das Einspielen eines Hintergrundgeräuschs, was das Hören und Verstehen der gesprochenen Worte und Texte erschwert.“ Hilfe bei der Umsetzung der App erhielten die Ärzte aus dem Heidberg vom Hamburger Schauspieler Bjarne Mädel (u.a. Der Tatortreiniger, Stromberg), der alle drei Schwierigkeitsgrade eingesprochen hat. Hier habe Mädels Expertise sehr geholfen, der im Studio nicht nur hochdeutsche Textpassagen einlas, sondern auch eine Version in „Barmbek-Slang“ für fortgeschrittene Nutzer, so der Langenhorner Oberarzt weiter. Die Vorteile dieser App liegen auf der Hand. Niclaus: „Wie bei jedem körperlichen Training ist das regelmäßige, kurzzeitige Training entscheidend und dafür ist eine Smartphone-App, die man ständig bei sich hat, das perfekte Tool für jederzeit, an jedem Ort verfügbares Hörtraining.“ Für Patienten mit einem CI ist das Hörtraining von besonderer Bedeutung. Nur durch intensives Üben ist es möglich, die Informationen über das Implantat an das Gehirn weiterzuleiten; richtig zu verstehen und zu interpretieren. „Das ist der entscheidende Unterschied zu einem Hörgerät, das im Prinzip funktioniert wie ein Lautsprecher“, so Niclaus, „beim CI werden Töne, Geräusche und Sprache in elektrische Impulse umgewandelt und über den Hörnerv transportiert. Die Entschlüsselung erfolgt im Gehirn und muss neu erlernt werden.“

Die App „Asklepios Hörtraining“ kann kostenfrei in den App Stores für die gängigen Systeme geladen werden. Und für alle, die kein Smartphone oder Tablett besitzen, gibt es das Training auch als CD-Version.
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