Kriegerehrenallee heißt jetzt Ida-Ehre-Allee

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Bei der Enthüllung: Carsten Helberg, Geschäftsführer Hamburger Friedhöfe, Staatsrat Michael Pollmann und Hans Matthaei, Willi-Bredel-Gesellschaft Foto: Krause

Umbenennung der Soldatengräber auf dem Friedhof Ohlsdorf

Von Franz-Josef Krause
Ohlsdorf
Nicht nur in Hamburgs Stadtbild gibt es auf Gehwegen Stolpersteine – auch auf dem Friedhof Ohlsdorf. Mehr als 15.000 gibt es dort. Steine, die in Reih und Glied liegen. Steine auf Soldatengräbern. Einige wenige der Gefallenen haben Grabmale, die ins Auge fallen. So Leutnant Julius Krause, der mit 21 Jahren „pro patria“ im Ersten Weltkrieg sein Leben ließ. Seine Mutter ließ ihm ein imposantes Denkmal setzen. „Für das Vaterland sterben heißt im Andenken der Menschen ewig leben“: So steht es auf dem Sockel der Darstellung des sterbenden Achills am Rande des Grabfeldes. Die Gräber der Soldaten auf Ohlsdorf liegen teilweise an der „Kriegerehrenallee“. An dieser Bezeichnung stießen sich in der Vergangenheit etliche Friedensinitiativen und forderten eine Namensänderung. Nun hat Staatsrat Wolfgang Michael Pollmann im Rahmen des Ohlsdorfer Friedensfestes die Umbenennung in „Ida-Ehre-Allee“ vorgenommen „Das Schicksal der unzähligen in den Kriegen der Vergangenheit gestorbenen Soldaten ist in hohem Maße beklagenswert, aber sie in ihrer Funktion als Krieger zu ehren unterschlägt die bittere Wahrheit, dass Soldaten gerade in Deutschlands jüngerer Vergangenheit zu Instrumenten brutaler Machtpolitik und eben auch zu Werkzeugen verbrecherischer Zielsetzungen wurden,“ so der Staatsrat: „Die kritische Diskussion über Ehrenbezeugungen der Vergangenheit wie eben über die ‚Kriegerehrenallee‘ auf dem Ohlsdorfer Friedhof die Möglichkeit einer Reflektion ihrer Rolle in unserer Geschichte.“ Die neue Namensgeberin Ida Ehre (1900-1989) war jüdische Schauspielerin und Regisseurin, die von 1945 bis zu ihrem Tod die Kammerspiele leitete. Sie war es, die 1947 „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert erstmalig aufführte. Beide haben ihre letzte Ruhe auf dem Friedhof Ohlsdorf gefunden. Ehre und Borchert haben unter der Nazi-Herrschaft gelitten.
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