Kunst am nackten Mann

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Die „Denkmalpfleger“ von Langenhorn bereiten den „nackten Mann“ mit Hyazinthen und Primeln schon mal aufs Frühjahr vor. Die Skulptur ist oft Ziel anonymer Farbschmierereien Foto: Blume
 
„Der große Schreitende“ heißt das Kunstwerk des Bildhauers Fritz Fleer. Es wurde 1958 aufgestellt Foto: Blume

Wie Nachbarn ein Denkmal im Kiwittsmoorpark umsorgen

Von Claudia Blume
Langenhorn
Mit imposanten 2,10 Metern Scheitelhöhe und stattlicher Schuhgröße 48 ist er einer der bekanntesten Langenhorner – und einer der umstrittensten: der „nackte Mann“. Die Bronze-Statue des bekannten deutschen Bildhauers Fritz Fleer (1921 – 1997) im Kiwittsmoor-Park an der Tangstedter
Landstraße polarisiert seit ihrer Aufstellung 1958. Schließlich schuf der Künstler einen jungen Mann in seiner unverhüllten Pracht, und so wird das „unzüchtige“ Denkmal mit dem offiziellen Titel „Der große Schreitende“ seit jeher immer wieder nicht nur an der anstößigen Stelle mit Farbe beschmiert. Dennoch ist die Skulptur im Alltagsleben der Langenhorner als zentrale Anlaufstation fest integriert. Kinderschnitzeljagden enden oft beim „nackten Mann“, Jugendliche treffen sich dort zum „Chillen“, vielen Schulklassen dient er als Vorlage zum Aktzeichnen. Und im vergangenen Frühjahr hat ihn auch eine Gruppe „wilder Gärtner“ für ihr Anliegen entdeckt. „Als ich im Internet einen Aufruf fand, etwas gegen das Bienensterben zu tun, dachte ich sofort an den Sockelbereich unseres ‚Nackten‘, der sich bestens für die Anpflanzung entsprechender Blumen eignet“, berichtet Cora Baumann, die in der Nachbarschaft wohnt. Per Facebook startete die 52-Jährige eine Aktion, die rund 15 Mitstreiter fand. Gut einen Meter rund um das Kunstdenkmal stachen die „Guerilla Gardener“ einen Meter Beet ab, säten Samen und pflanzten Stiefmütterchen. Im Laufe des Sommers entstand eine Blütenpracht, die tatsächlich viele Bienen anzog – es summte und brummte an der Statue.
„In diesem Park blüht sonst nichts, deshalb war es nötig und hat Spaß gemacht, das Beet anzulegen“, berichtet die 45-jährige Diana, „wir haben sogar Erdbeeren angepflanzt.“ Auf dem Heimweg von der Grundschule bringen nicht nur die Sechsjährigen Theo und Charlotte Wasser zum Gießen von der nahegelegenen Tankstelle mit. Jeder, der vorbeikommt, schaut nach dem Rechten, sammelt Verblühtes ab. Der „nackte Mann“ hat dadurch mehr Aufmerksamkeit als jemals zuvor.

Sogar der Polizei gefällt es


Das inspirierte Cora Baumann, auch das Kunstobjekt sporadisch zu „verschönern“. „Andere haben eine Barbie, ich habe meinen Ken“, sagt die gelernte Hutmacherin augenzwinkernd. Anfangs brachte sie Pudelmütze und Schal mit, drückte dem Mann mit dem Gardemaß bei Schmuddelwetter einen Regenschirm in die Hand oder staffierte ihn sogar als Weihnachtsmann aus. Den Spaziergängern gefällt’s – sogar der Polizei, die eine Verkleidungsaktion mit den launigen Worten „Wurde mal Zeit, dass der Nackte was zum Anziehen bekommt“ kommentierte. „In diesem Sommer würde ich ihm gern ein Blütenkleid anziehen“, plant Cora Baumann spontan und erntet in der Gärtner-Truppe Beifall, den Bronze-Mann mit Feuerbohnen und Clematis zu beranken. „Ein Hemd und eine Badehose bekommt er auch noch. Ich hab’ noch viele Ideen“, „droht“ die Langenhornerin lachend. Allerdings ist die Kunst am Kunstwerk nur eine Momentaufnahme, da die Accessoires leider oft zerstört oder gestohlen werden. Zu sehen ist sie jedoch auf der Facebook-Seite des „nackten Mannes“. Dort kann man sogar mit ihm chatten...
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