Langenhorn: Neue Namen für Straßen

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Namensschilder – bald Vergangenheit Foto: Krause

Erinnerung an verfolgte Frauen

Langenhorn Zum 1. Mai wird es in Langenhorn zwei Straßenumbenennung geben. Schon vor 1997 war bekannt geworden, dass nicht jeder Kittel der Namensgeber im sogenannten „Ärzteviertel“ fleckenlos war. Deshalb wurde 1999 die nach dem Psychiater Wilhelm Weygandt (1870-1939) benannten „Weygandtstraße“ umbenannt. Weygandt war Direktor der Psychiatrischen Anstalt Friedrichsberg und propagierte die „Ausmerzung geistig und psychisch Minderwertiger“. Der neue Name lautete erstaunlicher Weise „Weygandtstraße“. Möglich machte das Friedrich Weygandt, ein Beamter des Erzbischofs von Mainz, in Miltenberg. Während des Bauernkrieges 1525 wurde er wohl wegen Parteinahme für fortschrittliche Reichsreformen hingerichtet. Schon vor 20 Jahren war bekannt, dass auch Max Nonne und Georg Ernst Konjetzny sowie Theodor Fahr und Franz Oehlecker belastet waren. Die Willi-Bredel-Gesellschaft machte mit Robert Peuker, einem Pfleger der „Anstalt Langenhorn“, der sich der NS-Gewalt an den ihm anvertrauten Menschen widersetzte, einen Namensvorschlag mit Ortsbezug. Gleiches galt für die katholische Pfarrei St. Katharina von Siena. Sie schlug ihr verstorbenes Gemeindemitglied Wilhelm Lohner vor. Lohner hatte als Jugendlicher eine Widerstandsgruppe in Koblenz aufgebaut, wurde verraten und ins KZ gebracht. Seine Jugend schützte ihn vor der Hinrichtung – später hat Lohner Jahrzehnte in Langenhorn gewohnt. Aber: Männernamen kamen nicht in Frage.
Die von der Bezirksversammlung dem Senat vorgeschlagenen Frauen und ihre Verdienste sind unstrittig. Ursula de Boor (1915 bis 2001) war Ärztin und Mitglied der Weißen Rose Hamburg, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. Sie arbeitete seit Oktober 1941 in der Kinderklinik des Universitäts-Krankenhauses Eppendorf. Hier war sie maßgeblich am Aufbau der „candidates of humanity“ beteiligt, einer Gruppe von jungen Ärzten und Medizinstudenten, die sich in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem NS-Regime zusammenfanden. Ursula de Boor wurde am 20. Dezember 1943 von der Gestapo verhaftet. Im November 1944 erfolgte die Überstellung als Untersuchungsgefangene des Volksgerichtshofs in das Frauenzuchthaus Cottbus. Die Anklage gegen sie lautete Vorbereitung zum Hochverrat. Am 14. April 1945 wurde sie in Bayreuth von Angehörigen der US-Armee befreit. Die Max Nonne Straße wird zukünftig ihren Namen tragen. Der in der Anhörung am 29. Juni 2015 von Anwohnern vorgeschlagene Name „Am Bornbach“ blieb unberücksichtigt.
Die Konjetznystraße wird zukünftig mit neuem Namen an Anni Kienast (1897 – 1984) erinnern. Als Gewerkschafts- und SPD-Aktivistin verlor sie in der NS-Zeit vorübergehend ihre Arbeit. Nach dem Krieg saß sie in der Bürgerschaft. Der Stein ihres abgelaufenen Grabes wird im „Garten der Frauen“ auf dem Friedhof Ohlsdorf aufgestellt. Die Anwohner sind informiert. Auf Verwaltungsgebühren, die den Anliegern und Gewerbetreibenden durch die Umbenennung entstehen, wird verzichtet. Die Straßenschilder werden durch Zusatzschilder ergänzt, die über biografische Daten der Namensgeberinnen informieren. (fjk)
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