„meravis“ will Abriss der Siedlung am Buurredder

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In die Jahre gekommen – viele Mieter sagen, sie sei vom Eigentümer bewusst schon lange nicht mehr gepflegt worden. Die Siedlung der „meravis“ am Buurredder Foto: fjk

Mieter wehren sich gegen die Kündigungen

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn
Die kleine, von der Langenhorner Chaussee abgehende Straße gibt es seit mehr als 100 Jahren – aber erst 1952 erhielt sie ihren Namen. Seine Bedeutung: „enger Feldweg (für Bauern) zwischen Knicks“. Im wahrsten Sinne „eng“ wird es für die letzten acht Mieter in der zwischen 1958 bis 1965 dort errichteten ehemaligen „Reichsbundsiedlung“. Die Sozialverbands-Tochter „meravis“ (Mensch-Raum-Visionen), heutige Inhaberin der Mietwohnungen, will abreißen und die alten Häuser durch Eigentums- sowie Mietwohnungen ersetzten. „Eine Modernisierung wäre mit untragbar hohen Kosten verbunden gewesen“, so Sina Rudolph von „meravis“ auf Anfrage. „Eine andere Ursache ist die unzureichende Grundstücksausnutzung. Auf dem Grundstück von rund 9.500 Quadratmetern können deutlich mehr Wohnungen (81 statt 44 Wohnungen) und mehr Wohnfläche geschaffen werden. Die Planungen sehen zwei dreigeschossige Wohnriegel sowie drei zweigeschossige Wohngebäude mit jeweils einem zusätzlichen Staffelgeschoss vor. Die Wohnungen werden in einem ausgewogenen Wohnungsmix als Miet- und Eigentumswohnungen im Markt angeboten werden.“ Von den 44 Mietern sind bereits 21 ausgezogen; mit weiteren 15 bestehen Verträge mit festen Auszugsterminen. Die verbliebenen acht Mieter wehren sich mit Hilfe des Mietervereins gegen die Kündigungen. „Die von „meravis“ vorgelegte Kostenanalyse als Rechtfertigung für den Abriss steht“ so urteilt Mietrechtsspeziallist Dr. Rolf Bosse „auf wackligen Füßen.“ Kritisiert wird auch der geplante hohe Anteil an Eigentumswohnungen, der es schon rein rechnerisch nicht allen Mietern erlauben würde, hier wieder einzuziehen. Nicht nur das: während „meravis“ behauptet „Selbstverständlich werden unsere Mieter auch bei der Vergabe des neuen Wohnraums am Buurredder bevorzugt behandelt“, scheint die Realität anders zu sein „Mir ist kein Fall bekannt, in dem einem Mieter hier eine Wohnung angeboten wurde“, so Mieter Holger Reimers im Gespräch mit dem Wochenblatt „Auch mir nicht. Dabei gibt es in Langenhorn ein gutes Beispiel, wie gemeinsam mit den Mietern eine Aufwertung des Wohnquartiers gelingen kann. Aber „meravis“ hat eine Planung über die Köpfe der Menschen hinweg gemacht!“ Weitere Ungereimtheit – heute liegen die Kaltmieten zwischen 6,60 bis 6,80 Euro/m². „meravis“ gibt an, noch nicht zu wissen, ob die Mietwohnungen öffentlich gefördert oder frei finanziert werden. Davon hängt aber ganz entscheidend ab, welche Mieten zu erwarten sind. Selbst bei einem dem Wochenblatt gegenüber genannten Nachlass von 15 Prozent auf zehn Jahre bei freier Finanzierung würde das eine erhebliche Mieterhöhung bedeuten. „Der Verkaufserlös der geplanten mehr als 50 Eigentumswohnungen“, erklären Fachleute, „ist vermutlich höher, als die Baukosten der Mietwohnungen“. Eine erfreuliche Situation. Nur nicht für die Mieter. Eine ganz andere Sorge treibt Hans-Jürgen Langanke um, dessen Grundstück direkt an das der „meravis“ grenzt „Hier ist ein altes Moorgebiet mit einem Grundwasserspiegel von 2,20 bis 2,80 Meter.“ „Wenn beim Bau der Tiefgarage mit 2.313 Quadratmeter das Grundwasser abgesenkt wird, kann das erhebliche Folgen für die benachbarten Häuser und Pflanzen haben. Kaum 100 Meter von hier entfernt liegt dafür ein trauriges Beispiel vor. Ich möchte mein Haus nicht deshalb verlieren“, so Langanke. Wie letztlich der Kampf der Mieter gegen „meravis“ ausgeht – der weitere Fahrplan steht fest: Abbruch und Baubeginn im Frühjahr 2017 – Fertigstellung 2019. Selbst wenn beim Bau in der Umgebung keine Schäden auftreten sollten - Klaus Wicher, 1. Landesvorsitzender des Sozialverbandes Deutschland e. V., Landesverband Hamburg, der im Aufsichtsrat der „meravis“ sitzt, hat mitsamt seines Verbandes heute schon Schaden genommen.
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