Mohamad darf bleiben

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Sie können ihr Glück noch gar nicht fassen: Mohamad al Sabek (r.), SPD-Politikerin Martina Schenkewitz und Simon Pahl freuen sich, dass die Abschiebung des Syrers abgewendet werden konnte Foto: Blume

Langenhorner Politikerin bewahrt Asylsuchenden vor Abschiebung

Von Claudia Blume
Langenhorn
Großer Erfolg für Martina Schenkewitz: Die Langenhorner SPD-Bezirksabgeordnete verhindert die drohende Abschiebung eines 25-jährigen Syrers. „Deutschland ist ein Rechtsstaat, in dem kein Unrecht geschehen darf und dafür setze ich mich ein“, sagt die Politikerin mit Vehemenz. Denn was Mohamad al Sabek in den vergangenen zwei Jahren erlebt hat, ist in ihren Augen Unrecht. Ende April wurde sein Asylantrag vor dem Verwaltungsgericht Hamburg abgelehnt, obgleich Unstimmigkeiten in der Akte bestanden. So war unter anderem die Passnummer nicht mit seinen Papieren identisch. Der Richter zeigte sich unbeeindruckt. Verfahren abgeschlossen, Revision ausgeschlossen. Dem 25-Jährigen drohte in dieser Woche die Abschiebung nach Italien, das für seinen Fall zuständig ist bzw. war. Denn dort hatte der junge Syrer aus Damaskus erstmals europäischen Boden betreten, nachdem sein Schlepperboot in Seenot geraten und ein zu Hilfe eilendes Containerschiff namens „Hamburg“ (!) 65 Flüchtlinge aufgegriffen und nach Sizilien gebracht hatte.
Mir wurden gewaltsam Fingerabdrücke abgenommen, die Leute setzten Elektroschocker ein und brachen mir die Nase“, schildert der BWL-Student in nahezu perfektem Deutsch die dramatischen Ereignisse der Zwangseinreise. Asyl wollte er in Italien nicht beantragen, per Zug fuhr er zufällig nach Hamburg, wurde am Bahnhof kontrolliert und landete in der Erstaufnahmestelle Sportallee.
Seit 23 Monaten lebt er nun auf sechs Quadratmetern in der Unterkunft im Jugendparkweg, büffelt auf Eigeninitiative jeden Tag mit seinem Paten Simon Pahl Deutsch, ist hilfsbereit und packt bei der Norderstedter Tafel tatkräftig mit an.
Dort begegnete er auch Martina Schenkewitz. Die Lokalpolitikerin engagiert sich seit Jahren für soziale Projekte in Langenhorn. „Die Politik propagiert ständig, dass wir junge, motivierte und integrierte Arbeitskräfte brauchen. Hier ist ein bescheidener, gebildeter junger Mann mit enormem Potenzial, der sich einbringt, etwas für die Gesellschaft tut. Ich verstehe, dass die Behörden überlastet sind, aber dass sie jemanden seinem ungewissen Schicksal überlassen, das kann ich nicht begreifen.“ Zusammen mit Simon Pahl arbeitete sie sich in Mohamads Fall ein und stellt fest: „Fehler, die im Verfahren gemacht worden, sind belegbar.“ Die SPD-Frau setzt sich für den Syrer ein – auf allen Ebenen. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, Vize Katharina Fegebank sowie alle Fraktionsvorsitzende hat sie vergangene Woche angeschrieben und um Hilfe gebeten, den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages angerufen.
Am Mittwoch geschah das Wunder. „Ich erhielt ein Fax des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mit der Mitteilung, dass die Überstellungsfrist nach Italien abgelaufen sei und nunmehr Deutschland für den Fall zuständig sei“, erzählt Anwalt Michael Kraft. „Mohamad hat gute Chancen, den Flüchtlingspass zu erhalten, weil er als Kriegsdienstverweigerer wegen des Bürgerkrieges nicht nach Syrien abgeschoben wird. Er erhält eine sofortige Aufenthaltsgenehmigung und darf Arbeit annehmen.“
„Wir sind überglücklich und erleichtert“, fasst Martina Schenkewitz die Freude zusammen, „wir haben an vielen Türen gerüttelt. Welche die richtige war, werden wir wahrscheinlich nie erfahren.“
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