Pensionierter Lehrer unterrichtet Flüchtlinge

Anzeige
Während die Mädchen der Klasse auf Projekttour sind, verfolgen Morteza, Emran, Mustafa, Hasibullah und Firas (v.l.) die Ausführungen von Hertwig Zillmer (r.) Foto: Jenjahn

Sprachkenntnisse und Ausbildung sind elementar für eine gelungene Integration

Von Olaf Jenjahn
Langenhorn
Hertwig Zillmer steht vor den heranwachsenden Jungen und redet ruhig und bedächtig. „Zahnmedizinischer Fachangestellter“ gibt er vor und die Jungs wiederholen. Nicht gerade einfach für die 15- und 16-jährigen Jugendlichen, die vor geraumer Zeit aus Afghanistan und Syrien nach Deutschland kamen. Gemeinsam mit Lisa Nolle von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg werden an diesem Vormittag vornehmlich medizinische Berufe vorgestellt, die die Jugendlichen ergreifen können. Ahmed kommt aus Syrien und gehört zu den unbegleiteten Jugendlichen. Ihn interessieren ganz besonders die Gehälter, die für die Arbeit gezahlt werden. „2.200 Euro, viel Geld“, sagt er. Doch Lisa fügt hinzu: „Da müssen aber noch Steuern abgezogen werden.“ Das interessiert Ahmed erst einmal nicht. Wichtig für ihn ist das Geldverdienen. Schwieriger erscheint für ihn die Ausbildungszeit. Hertwig Zillmer erläutert: „Für diese Berufsausbildung musst du entweder den Mittleren Bildungsabschluss oder den Ersten Schulabschluss und eine bereits abgeschlossene Ausbildung besitzen.“ „Oh, dann bin ich ja schon 30“, entgegnet der 16-jährige Syrer überrascht. Hertwig Zillmer ist ein pensionierter Lehrer, der bis April in der Flüchtlingsunterkunft Fuhlsbüttel die freiwilligen Helfer organisierte und koordinierte. „Ich bin sehr neugierig, wie wir in Hamburg mit dieser unglaublichen Herausforderung umgehen“, sagt der 68-Jährige. Als der Aufruf an die Lehrer im Ruhestand kam, Flüchtlingskinder zu unterrichten, zögerte er nicht lange: „Warum soll ich mein Wissen und Können aus 40 Berufsjahren nicht für diese gute Sache einbringen?“

Zwei Jahre ohne Eltern auf der Flucht


Ohne im Einzelnen auf die ganz persönlichen Schicksale der Kinder einzugehen, berührt den Pädagogen die Lebensgeschichte der Kinder: „Einige sind bis zu zwei Jahre unterwegs gewesen.“ Ohne Eltern, allein auf der Flucht. In den Räumen der Langenhorner Stadtteilschule werden die Kinder und Jugendlichen auf ihr neues Leben vorbereitet. Und dafür brauchen sie als erstes Deutschkenntnisse. Nach den Grundkursen werden die jüngeren Kinder aufgrund der positiven Integrationsprognose direkt in die Schulklassen aufgenommen, für die Älteren geht es in die Vorbereitungsklassen. Nach zwei Jahren sind sie für den Ersten Schulabschluss (früher Hauptschule) vorbereitet. „Das Niveau des Verstehens ist unterschiedlich, daher wird sehr viel Deutsch unterrichtet. Doch auch etliche Projekttage stehen auf dem Programm“, erzählt Zillmer. So lernen die Flüchtlinge den Recyclinghof kennen, besuchen das Busdepot des HVV oder eine Klinik. Hertwig Zillmer vermittelt aber nicht nur das Wissen um die deutsche Sprache und die gesellschaftlichen Werte, er geht auch individuell auf die Wünsche der Kinder und Jugendlichen ein. „Ich bin derzeit dabei, eine Möglichkeit zu finden, damit die Jungen und Mädchen schwimmen gehen können. Das geht nur getrennt“, sagt Zillmer, der die religiösen und gesellschaftlichen Aspekte bei diesen Aktionen berücksichtigen muss.

Hertwig Zillmer sucht aktuell für die Mädchen seiner Klasse Fahrräder. Wer gebrauchte Fahrräder abgeben möchte, meldet sich unter Telefon 0176/992 227 44
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige