Plattsnacker mit Mut gesucht

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Echt, offen, ehrlich: Mirko Meyer – hier mit Handwerker-Melone, Troyer und Manchester-Hose in der HafenCity – hat ein plattdeutsches Ziel Foto: to
 
Wer Aufkleber oder Anstecker braucht, findet alles auf plattsnacken.de

Mirko Meyer möchte in Hamburg die niederdeutsche Sprache zurück in den Alltag holen

Von Thomas Oldach
Hamburg
Platt in’t Alldag snacken. Wat, wenn wi dat hinkriegen? Plattdüütsch redden? De norddüütsche Seel, uns Kultur, Philosophie und Identität wedder in’t Alldag beleven könnt? Wenn de Kinners snacken jüst wiel dat de Ollen don? Platt ward nich snackt, wiel dat sik keeneen mehr truun dot. Wi denkt, wi snackt nich goot noog. Un so snackt keeneen, nix ward in Platt naamt un weniger ward ok schrieven. So doot ok de Lück twischen Lüüd de snacken könnt und Lüüd, de liernt wassen. De Lück mutt tomaakt warn.

Einst Amtssprache

Wie? Sie haben das nicht verstanden? Das ist Plattdeutsch – einst mal Amtssprache in Norddeutschland. Auf Hochdeutsch heißt das: „Wie wäre es wenn wir Platt retten würden? Die Seele Norddeutschlands, der Ausdruck norddeutscher Kultur, Identität und Denkens – wie wäre es wenn Platt wieder im Alltag hörbar wäre? Wenn Kinder Platt snacken würden, einfach weil es alle tun? Aber mit wem Plattdeutsch reden, wenn es keiner im Alltag spricht? Es spricht keiner mehr Platt, weil wir meinen, wir können es nicht gut genug. Und so ist Platt weniger im Alltag präsent.“ Wer das sagt und sich für das Plattdeutsche massiv einsetzt, ist Mirko Meyer. Der Mann steht mit seinen 39 Jahren mitten im Leben. Er ist ausgebildeter Lehrer (Gymnasium für Englisch/Biologie/Darstellendes Spiel), geboren in Braunschweig, aufgewachsen in Hoya an der Weser, arbeitete bis Dezember 2015 in Berlin, seitdem wohnhaft in Lübeck und als Personal Coach tätig für Menschen in beruflichen oder privaten Lebenssituationen, die „ihre Heimat“ verloren haben. Und dazu gehört für Meyer eben auch das Bekenntnis der Menschen zu ihren sprachlichen Wurzeln. Und die sind eben Plattdeutsch. Durch Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert sowie das preußische Schulsystem sei die Sprache immer mehr ins Hintertreffen geraten. „Doch Sprache ist Heimat“, sagt Meyer – und deshalb hat er eine Initiative gestartet, die mehr für Plattdüütsch tun will.

Herz schlägt für Plattdeutsch

Dazu beitragen will Meyer mit einem fingernagelgroßen Anstecker und einem entsprechenden Aufkleber, den er über das Internet vertreibt. Dieser „Kring“ ist goldfarben lackiert – bis auf einen kleinen grünen Abschnitt: „Der Zwischenraum steht für die Lücke zwischen den Menschen, die noch Platt sprechen können, und den nachfolgenden Generationen, die das Plattdeutsche bewahren könnten.“ Meyers Botschaft: „Zeig, dass dein Herz für Plattdeutsch schlägt und dass du keine Angst hast, auf Platt angesprochen zu werden.“ „Während des Studiums verbrachte ich ein halbes Jahr in Irland und lernte dort die ,Fainne‘ kennen, einen Anstecker, der Sprecher des Gälischen kennzeichnet. Warum sollte das nicht auch für Plattdeutsch möglich sein?“, sagt Meyer. Ein weiterer Teil ist die „Plattkort“, die Meyer gerade aufbaut. Auf dieser interaktiven Karte trägt er Geschäfte, Restaurants, Institutionen und „vorbildhafte Gemeinden“ ein, in denen Plattdeutsch gesprochen wird. Bisher ist die Zahl der Einträge allerdings überschaubar, auch für die Metropolregion Hamburg. Aber das soll sich ändern.

Straßennamen „op Platt“

In der Rückbesinnung auf die Regionalsprache sieht Meyer auch einen wirtschaftlichen Vorteil. Nicht nur der Tourismus gewinne, auch lokale Firmen hätten Vorteile im Bekenntnis zur Region. Charakter und Identität ließen sich auch durch Ortsschilder und Straßennamen „op Platt“ herstellen – etwa wie es im Landkreis Harburg (Niedersachsen) seit Jahren Gang und Gäbe ist. Das Projekt, das von alteingesessenen Platt-Verbänden skeptisch gesehen wird, ist das Hobby eines jungen Platt-Fans: „Viel Geld verdienen kann ich damit nicht. Es geht mir um die Sprache“, sagt Meyer. Den Preis von 5 Euro für den Anstecker plus Versandkosten habe er so kalkuliert, dass er die Produktionskosten sowie die Kosten für den Aufbau und die Weiterentwicklung der Internetseite wieder reinholen könne. Etwa 400 Anstecker habe er bisher unter die Leute gebracht: „Bisher ist es ein Zuschussgeschäft.“

Wer Aufkleber oder Anstecker braucht – Infos unter www.plattreden.de
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1 Kommentar
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Clemens Ratte-Polle aus Wandsbek | 08.12.2016 | 19:10  
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