Region Mittleres Alstertal: St. Lukas will im Gespräch bleiben

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St. Lukas, die so genannte „Stahlhelmkirche“: Nach zähen Verhandlungen einigte man sich auf den Neubau eines Turmes und einen Zuschuss staatlicher Stellen in Höhe von 2/3 der Kosten Foto:Krause
 
Propst Dr. Johann Hinrich Claussen Foto: Krause

Kirche investiert künftig verstärkt „in Menschen statt in Steine“

Von Franz-Josef Krause
Fuhlsbüttel
„Kirchtürme sind umgekehrte Trichter, die das Gebet in den Himmel leiten“, notierte vor rund 250 Jahren Georg Christoph Lichtenberg. Im evangelischen Kirchenkreis Hamburg Ost gibt es seit Mitte 2015 einen „Standort-Netzplan“, der zu dem Schluss kommt, dass es heute und ganz besonders zukünftig zu viele „Trichter“ und zu wenig „Beter“ gibt. Da nicht erwartet wird, dass die Zahl der Gemeindemitglieder wieder zunimmt, besteht mittelfristig die Absicht, die Anzahl der „Kirchtürme“ zu reduzieren. „Es gibt keinen Plan generell Kirchenstandorte aufzugeben“, so Remmer Koch, Pressesprecher des Kirchenkreises. „Aber bei zu erwartenden knapperen Mitteln erscheint es sinnvoller, in Menschen – sprich Personal – und nicht in Steine – also Gebäudeerhalt – zu investieren.“ Ein Weg in diese Richtung ist bisher selbstständige Gemeinden enger miteinander zu verknüpfen – spätere „Heirat“ nicht ausgeschlossen. Die „Region Mittleres Alstertal“ mit den Gemeinden Ohlsdorf-Fuhlsbüttel, St. Lukas, Fuhlsbüttel, Maria Magdalenen, Klein Borstel und Christophorus, Hummelsbüttel sollten so ab 2013 unter der Begleitung des „Projekt-Pastors“ Martin Barkowski aufeinander zugehen. Fünf Kirchtürme mit 11.658 evangelischen Christen hatten nun ein gemeinsames Ziel. Die „Alstertaufe“ 2015 (das Wochenblatt berichtete) war ein gelungener Auftakt des neuen Miteinanders. Nun ist es vorerst zum Stillstand gekommen. Zwar gibt es unterschiedliche Sichtweisen über die Ursachen. Fakt ist, dass St. Lukas vorerst die Mitarbeit in den entsprechenden Gremien eingestellt hat. Claudia Scherf, Vorsitzende des Kirchengemeinderates gibt Auskunft: „Es ist nicht so, dass die Zusammenarbeit in der Region erst 2013 begann. Der Tansania-Turiani-Arbeitskreis ist da nur ein Beispiel langfristiger Zusammenarbeit. Grundsätzlich sehen wir auch die Chancen einer stärkeren Vernetzung. Doch mit dem wie sind wir nicht einverstanden.“ Konkrete Kritikpunkte sind, dass der Regionalausschuss zu monatlichen Sitzungen zusammenkam – zu Zeiten, wo die Teilnahme berufstätiger Ehrenamtlicher nicht möglich ist. Weiterhin, dass dieses Gremium letztlich keine Kompetenz habe. Weiterer Kritikpunkt ist die Herangehensweise. Statt zuerst Aufgaben und Inhalte systematisch organisationsunabhängig zu erfassen, sei man zwischen Inhalten und Organisation hin- und hergependelt. Als in einer gemeinsamen Sitzung der Kirchengemeinderäte der Region, zu einer für viele ungünstigen Zeit, St. Lukas schwach vertreten war, wurde das als Desinteresse ausgelegt. Dr. Johann Hinrich Claussen, am letzten Arbeitstag als zuständiger Propst zur Causa „Mittleres Alstertal“ befragt, stellte nüchtern fest: „Ja, das ist manchmal so – kommt man mit Inhalten nicht zurecht, beschäftigt man sich mit Organisation oder mischt beides.“ Und weiter: „Aussteigen gilt nicht. Es gilt, einfach wieder miteinander zu sprechen.“ „Und das ist auch die erklärte Absicht des Kirchengemeinderates von St. Lukas in Fuhlsbüttel“, so Claudia Scherf.
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