Rollis unerwünscht?

Anzeige
Rauswurf statt Eisbecher: Ute Naumann (v.l.), Lorenz Pien und Petra Mau wurde der Eiscafé-Besuch vom Betreiber verwehrt Foto: Blume

Eisdielen-Betreiber in der Kritik. In Zukunft will er bei der Platzwahl helfen

Langenhorn „Sind wir Menschen zweiter Klasse oder warum werden wir diskriminiert?“, fragt Lorenz Pien. Vergangene Woche wurden dem 62-jährigen und zwei befreundeten Rollstuhlfahrern der Besuch eines Eiscafés am Langenhorner Markt verwehrt. „Nach unserer Physiotherapie wollten wir ins Eiscafé Vlora einkehren. Um genügend Platz für unsere Rollstühle zu haben, mussten wir einige Stühle rücken. Das missfiel dem Besitzer, der unser Treiben zunächst mit Kopfschütteln beobachtete“, erzählt der Schwerbehinderte. Dann sei die Situation eskaliert. „Der Mann fuhr uns an, warum wir immer dienstags kämen und den Platz verstellten“, erinnert sich Petra Mau, „ein Gespräch war nicht möglich, denn plötzlich schrie er: Ach, haut doch ab!“ Erwin Friedeboldt, langjähriger Hamburger Vertrauensmann für Schwerbehinderte, empfindet dieses Verhalten als skandalös: „Ich erwarte, dass ein Gastronom jeden Gast gleich behandelt, ohne Ansehen von Alter, Sozialstatus oder Behinderung.“ Ute Naumann glaubt, dass der Eisdielen-Betreiber sie „auf dem Kieker“ hat. Zweimal sei die MS-Kranke bereits aus dem Café „hinauskomplimentiert worden. „Angeblich hatte ich mit meinem Rolli eine imaginäre Stellplatz-Linie überschritten. Allerdings galt die nicht für einen Kinderwagen am Nachbartisch.“
Eisdielen-Betreiber Redzep Veseli kann die ganze Aufregung nicht verstehen. „Ich vertreibe keine Gäste, bei mir ist jeder willkommen. Aber die drei Rollstuhlfahrer haben ein Stuhl-Chaos angerichtet, so dass weder andere Gäste noch mein Personal zu den Tischen gelangen konnten. Ich habe ihnen einen geeigneten Tisch an der Seite angeboten, aber den haben sie abgelehnt. In Zukunft bin ich gerne bei der Platzwahl behilflich.“ Die Rolli-Fahrer geben dem Eiscafé-Betreiber noch eine Chance. „Wir erwarten eine ehrlich gemeinte und tief empfundene Entschuldigung“, sagt Lorenz Pien. (blu)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige