Suchthilfe für Hörgeschädigte in Hamburg

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Pädagogin Farina Dahlmann kommuniziert mit Hilfe suchenden Hörgeschädigten in der Gebärdensprache Foto: Blume

Erstmals Angebote für Ertaubte und Schwerhörige im Norden

Von Claudia Blume
Hamburg
Sucht ist ein sensibles Thema. Sich Hilfe zu holen ein schwieriger Schritt für Betroffene. Doch wenn zudem eine Hörschädigung oder gar Taubheit hinzukommt, dupliziert sich die Problematik, denn spezielle Beratungs- und Therapieangebote in Gebärdensprache gab es bislang nur in Berlin, Nürnberg, Leipzig und Dortmund – seit gut einem Jahr nun auch in Hamburg. „In Deutschland leben rund 80.000 Ertaubte und 2,5 Millionen schwerhörige Menschen. In Hamburg sind es etwa 3.500 Gehörlose, darunter rund 500 mit Suchtproblematiken“, weiß Farina Dahlmann. Die Pädagogin von „Die Brücke Beratungs- und Therapiezentrum e.V.“ in Stellingen initiierte zunächst das Pilotprojekt „deaf Sucht hilfe“ mit einem monatlichen Beratungstermin. Fördergeld der Deutschen Rentenkasse sowie der „Aktion Mensch“ ermöglichen seit Anfang Juni eine Ausweitung auf einen wöchentlichen Termin: „Bedarf und Gesprächspotenzial sind groß, zumal die Klienten aus dem gesamten norddeutschen Raum zwischen Hannover und Flensburg kommen.“ „Hörgeschädigte Menschen sind im Alltag in ihrer Kommunikation erheblichen Barrieren ausgesetzt. Taubheit oder Schwerhörigkeit sind unsichtbare Behinderungen, die von Mitmenschen im Alltag oft nicht bemerkt werden. Betroffene gelten als abweisend oder unfreundlich in ihren Reaktionen und finden daher schwer adäquate Ansprechpartner bei Problemen. Manche Menschen unterliegen Frust und Isolation und haben ein größeres Risiko in Alkohol-, Drogen- oder Medikamentensucht als auch Spiel-, Internet- oder Kaufsucht abzugleiten“, sagt die 27-Jährige. Mit „deaf Sucht hilfe“ möchte die ausgebildete Gebärdensprachlerin ein niedrigschwelliges Angebot machen: „Wir können zwar nicht heilen, aber den Klienten helfen sich zu orientieren und sie auf den Weg bringen, Veränderungen zu schaffen – wenn nötig mit ärztlicher Unterstützung.“ Da sich die deutsche Schriftsprache in Grammatik und Satzaufbau deutlich von der Gebärdensprache unterscheidet, entstehen so manche Missverständnisse. Farina Dahlmann übersetzt fachkundig mit Gesten und Mimik Behörden- und Arztbriefe, hilft bei der Beantragung von Therapiemaßnahmen, vermittelt Kontakte und begleitet Hörgeschädigte sogar während des klinischen Entzugs. Zudem bietet „Die Brücke“ im eigenen Haus eine ambulante Suchttherapie an.

Mittwochs 15 bis 17 Uhr offene und kostenlose Sprechstunde ohne Anmeldung bei „Die Brücke e.V.“, Wördemanns Weg 23a, Telefon 040/450 44 82. Weitere Infos:
www.deafsuchthilfe.de und www.bruecke-online.de
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