Zaun soll Lärm mindern

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Andreas Schlief vertritt die Grundeigentümer, Martina Lütjens die Kommunalpolitik. Beide Seiten streben eine einvernehmliche Lösung im Streitfall Sportplatz-Lärm an – die könnte mit der Zaun-Lösung nun gefunden worden sein Foto: Sichting
 
Direkt an den Kunstrasenplatz der Schule grenzt die Frank‘sche Siedlung (hinten) Foto: ms

Klein Borstel: Anwohner drohen mit Klage. Jetzt reagieren die Behörden

Von Mathias Sichting
Klein Borstel
Fußbälle knallen gegen Wände und Turnhallenscheiben, Musik dröhnt aus Ghettoblastern, am Wochenende wird gebrüllt und gepöbelt. Der Kunstrasenplatz der Albert-Schweitzer-Schule in Klein Borstel ist zum Ärgernis für betroffene Anwohner der Frank‘schen Siedlung geworden. Am Wochenende verwandeln Jugendliche und Erwachsene die ruhige Privatsiedlung und den angrenzenden Schulsportplatz regelmäßig in ein Tollhaus. „Der Schullärm ist nicht das Problem. Dagegen haben die Anwohner nichts einzuwenden. Man freut sich über den Platz, und, dass die Kinder hier spielen können. Es ist das Bolzen am Wochenende und in den Abendstunden, das die Anwohner stört“, weiß Martina Lütjens, Mitglied der CDU-Bezirksfraktion.
Bereits im Herbst 2013 regte sich erster Widerstand, nachdem der Platz 2012 übergeben worden war. Im Mai 2014 fand sich ein runder Tisch zusammen und diskutierte über die Problematik. Eine Lösung wurde damals nicht gefunden. Jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen. Eine Käfiglösung soll ab Sommer für Ruhe sorgen.
„Kinder und Erwachsene aus anderen Stadtteilen kommen gezielt auf das Schulgelände, um auf dem Platz Fußball zu spielen. Gegen 20 Uhr geht es meist los: Die Fußballer parken ihre Autos in den Nebenstraßen, bringen Musik und ihre Kiste Bier mit, klettern über den hüfthohen Zaun und machen hier richtig Party“, berichtet Andreas Schlief, Grundstücksverwalter des angrenzenden Flurstücks der Frank’schen Siedlung mit den dazugehörigen 161 Grundstücken.
 „Die Anwohner haben ein Recht auf Emissionsschutz. Einige streben eventuell eine Klage an. Das möchten wir vermeiden. Wir wollen eine einvernehmliche Ergebnislösung, die alle Interessen berücksichtigt und die den Frieden hier erhält“, so Schlief.
Eine juristische Lösung des Problems wäre, dass eine eventuell nicht zulässige Nutzung mit einer einstweiligen Verfügung untersagt wird. „Dann hätten wir hier allerdings nichts gewonnen. Nur die Kinder würden dann in die Röhre gucken. Das wollen wir nicht“, so Schlief. „Der Idealfall wäre: Kein Gebolze mehr unter der Woche ab 18 Uhr und am Wochenende gar keine Öffnungszeiten mehr.“
Andreas Schlief hatte im Namen der Anwohner sogar schon eine Lärmschutzwand konzipiert und die Planungen weit vorangetrieben. „Ich hatte bereits ein entsprechendes Angebot errechnet. Das umfasste 70 Meter Wand auf der Grundstücksgrenze und sollte für eine Höhe von vier Metern insgesamt 80.000 Euro kosten. 20.000 Euro hätten die Anwohner beigesteuert. Diese Idee wurde allerdings mit einer exorbitant höheren Kostenberechnung der Schulbaubehörde für einen fünf Meter hohen Schallschutz durchkreuzt. Dieser sollte plötzlich 228.000 Euro kosten und war damit vom Tisch“, so Schlief enttäuscht.

Die Käfiglösung


Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde: „Bezirk, Schulbehörde, die Albert-Schweitzer-Schule und der Grundeigentümer Schulbau Hamburg (SBH) haben sich jetzt auf eine Lösung geeinigt, die auch von den Vertretern der Anwohner akzeptiert wird.“ Laut Stricker wird das Gelände komplett umzäunt und außerhalb der Nutzungszeiten abgeschlossen – die besagte Käfiglösung. Ein Sicherheitsdienst soll dafür sorgen, dass die angemahnten Zeiten eingehalten werden. Kosten: Allein für den Wach- und Schließsdienst im ersten Jahr 17.500 Euro und ab dem zweiten Jahr 5.700 Euro. Der Zaun wird zwischen 10.000 bis 20.000 Euro kosten. Diese werden zunächst durch Schulbau Hamburg als für die Bewirtschaftung zuständigen Landesbetrieb übernommen. Aber warum sind die Kosten für den Sicherheitsdienst im ersten Jahr derart hoch? „Die projektierten Kosten enthalten für das erste Jahr eine Reserve, falls eine stärkere Präsenz des Sicherheitsdienstes erforderlich sein sollte. Der Zaun befindet sich in der Fertigung. SBH wird die erforderlichen Baumaßnahmen voraussichtlich im Laufe der Sommerferien abschließen“, verspricht Stricker.
Kritik kommt trotz Käfiglösung von Martina Lütjens: „Es hätte hier gar nicht erst soweit kommen müssen. Als das dritte Gebäude gebaut wurde, war der Kunstrasenplatz noch eine Rasenfläche. Spätestens bei der Herstellung des neuen Platzes hätten die Planer aufhorchen und die Schalltrichter der drei Gebäude bemerken müssen. Hätte man die Bürger von Anfang an beteiligt, wäre man eher auf die Probleme gestoßen. Eine Bürger- oder zumindest Anwohnerbeteiligung hat nicht stattgefunden. Auch die politischen Gremien wurden nicht ins Boot geholt. Ich erwarte jetzt eine zügige Umsetzung der geplanten Maßnahme.“
Klar ist: Die Anwohner müssen sich noch bis zu den Sommerferien gedulden. Erst dann könnte der neue Zaun die Nutzungszeiten gewährleisten.
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4 Kommentare
1.933
Kai Debus aus Alsterdorf | 17.06.2015 | 14:58  
6
Torben Lohmann aus Wellingsbüttel | 17.06.2015 | 15:08  
6
Gregor Leiß aus Poppenbüttel | 20.06.2015 | 07:39  
6
S. Thiele aus Meiendorf | 20.06.2015 | 23:14  
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