Zu siebt auf drei Zimmern

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Zweimal geflüchtet: Seluan (13, v.l.), Naje (14), Mazen Bader (45), Maher (3), Hasna (35), Mohamed (8) und Fahme (15) Foto: Krause

Ein Jahr lang auf der Flucht: Familie Bader auf dem langen Weg von Aleppo nach Hamburg. Neue Wohnung gesucht

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn
Aleppo, die mit ursprünglich zirka 2,5 Millionen Einwohnern zweitgrößte Stadt Syriens, war schon ein bedeutender Handelsplatz, als ganz Deutschland noch im Dunkel der Geschichte schlummerte. Zeitweise sogar Teil des Byzantinischen Kaiserreiches, war die Stadt häufig umkämpft. Im nun tobenden Bürgerkrieg ist das nicht anders. In der Nacht vom 28. auf den 29. September 2012 wurde der historische Basar, das weltgrößte überdachte alte Marktviertel bei Kampfhandlungen durch ein Großfeuer weitgehend zerstört.
Am 19. November des gleichen Jahres flüchtete Mazen Bader mit Frau und fünf Kindern nach Ägypten. Er kam damit dem Assad-Regime zuvor, das ihn im Krieg gegen die eigene Bevölkerung einsetzen wollte. Bader ist einer der vielen Palästinenser, die in Syrien eine zweite Heimat gefunden hatten. Durch seinen Beruf als Lehrer und zusätzlich mit einem Fotostudio hatte er es in Aleppo zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Seine große Familie wohnte in einem eigenen Haus, in dem ältere Familienmitglieder noch heute ihr Zuhause haben. In Ägypten betrieb der vielseitige Familienvater erfolgreich eine Bäckerei. Alles schien gut zu sein. Bis das Militär im Juli 2013 den Staatspräsident Mohammed Mursi stürzte. Das Klima gegenüber „Fremden“ verschlechterte sich im Land am Nil dramatisch. Erneut flüchtete die Familie – diesmal über das Mittelmeer nach Italien. Über Berlin ging es weiter nach Hamburg. Seit gut einem Jahr lebt die Familie in Langenhorn, eine Unterkunft ist nun ihr Lebensmittelpunkt. „Die Menschen hier sind freundlich und hilfsbereit“, berichtet der Familienvater im Gespräch mit dem Wochenblatt. Seine Frau Hasna bestätigt das: „Weder meine Tochter noch ich werden schief angesehen, wenn wir mit dem Kopftuch auf der Straße unterwegs sind. Das war nicht überall in Deutschland so!“ Spricht das Ehepaar schon gut Deutsch? Nicht ganz – aber Naje, der 14-jährige Sohn, machte im Gespräch gekonnt den Dolmetscher.

„Die Menschen hier sind freundlich und hilfsbereit“ Mazen Bader

Er übersetzte auch die Frage, wie sich seine Eltern, er und seine Geschwister ihr Leben in Deutschland weiter vorstellen: „Wir wollen die Sprache lernen und wir wollen arbeiten!“ Während die älteren Kinder die Regelklassen der Stadtteilschule Hamburg-Mitte in Hasselbrook besuchen und Mohamed an der Krohnstiegschule in einer Vorbereitungsklasse ist, hat der dreijährige Maher einen Kindergartenplatz in Langenhorn. Alles gute Voraussetzungen, schnell Deutsch zu lernen. Beide Eltern besuchen am Schmuggelstieg Deutschkurse. Sie sind dankbar, dass eine pensionierte Germanistik-Studienrätin die Kinder und sie beim Lernen unterstützt. „Zum Lernen“, das weiß die erfahrene Pädagogin „ist ein Mindestmaß an Ruhe notwendig. Völlig illusorisch in einer Dreizimmerwohnung mit sieben Personen!“ Deshalb ist mehr Platz ein ganz dringender Wunsch der Familie: „Die Räume müssten gar nicht groß sein. Ganz wichtig wäre es besonders für das einzige Mädchen der Familie, die 13-jährige Seluan, ein eigenes Zimmer zu haben. So um 115 qm wären ideal.“ Für die Miete kommt der Staat auf einen möglichen Garten würde die Familie pflegen. „Meine Mutter hat neben ihrem Beruf als Grundschullehrerin in Aleppo im Garten am Haus immer viel Gemüse, Tomaten und Blumen gehabt – das fehlt hier in der Unterkunft natürlich.“ Die Sonne des Südens eher weniger „Hamburg ist eine sehr schöne Stadt, in der es viel Arbeit gibt“, da ist sich die ganze Familie einig. (fjk)

Wer der Familie in Sachen Wohnraum helfen kann, sollte sich unter Telefon 0157-709 59 585 melden
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