Professor auf der Flucht

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Prof. Dr. Wolfgang Auffermann hat sich nach Dubai abgesetzt. Ihm wird bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. Es geht um einen Schaden von mehr als 34 Millionen Euro Symbolfoto: thinkstock

Krankenkassen um mehr als 34 Millionen Euro betrogen

Hamburg/Ahrensburg Eigentlich sollte Prof. Dr. Wolfgang Auffermann (59) vor der Großen Strafkammer 18 (Wirtschaftsstrafkammer) des Hamburger Landgerichts auf der Anklagebank sitzen. Bandenmäßiger Betrug wird ihm vorgeworfen. Es geht um einen Schaden von mehr als 34 Millionen Euro, den der Radiologie-Professor und seine Mitarbeiter den norddeutschen Krankenkassen zugefügt haben soll. Aber der Professor, der von Bergedorf aus sein „Radiologie-Imperium“, die Firma „Hanserad“, leitete, hat sich nach Dubai abgesetzt. In Abwesenheit ihres ehemaligen Chefs müssen sich dafür zwei seiner engsten Mitarbeiter vor dem Gericht für den Medizin-Skandal verantworten. Es sind Dr. Thomas S. (67), Apotheker aus Ahrensburg, sowie Dr. Michael H. (59), ehemaliger Geschäftsführer der „Hanserad“. Beide befinden sich in Untersuchungshaft. Bei einem Schuldspruch drohen ihnen Strafen zwischen einem und zehn Jahren Gefängnis. Die Verteidiger halten ihre Mandanten für unschuldig, erwarten einen Freispruch.

Falsche Abrechnungen


Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, dass sie die Krankenkassen durch falsche Abrechnung von Röntgenkontrastmittel betrogen haben sollen. Danach soll der Ahrensburger Apotheker für die Firma „Hanserad“ zu günstigen Rabatten in riesigen Mengen Röntgenkontrastmittel bestellt haben, die völlig überteuert mit den Krankenkassen abgerechnet wurden. Es soll vertraglich festgelegt worden sein, dass dem Apotheker fünf Prozent und der Firma „Hanserad“ 95 Prozent der Gewinne zuflossen. Dr. Michael H. soll als kaufmännischer Geschäftsführer der „Hanserad“ seinen Chef bei dem Betrug unterstützt haben. Beliefert mit den Kontrastmitteln wurden die von Auffermann geführten medizinischen Versorgungszentren in Hamburg, Neumünster, Geesthacht, Dannenberg und Boizenburg. Nach Anklageverlesung ließ der angeklagte Ex-Geschäftsführer der „Hanserad“ über seinen Anwalt mitteilen: „Einen gemeinsamen Tatplan hat es nie gegeben. Ich war in diese Sache nicht involviert. Das Geschäftsmodell wurde von Rechtsanwälten konzipiert.“ Der Apotheker will sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern. Der Anwalt von Prof. Auffermann, der dem Prozessauftakt als Zuschauer beiwohnte, erklärte, sein Mandant werde nach Hamburg zurückkehren, sobald der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben sei. Der Professor sei unschuldig. Er habe sich nicht bereichert.
Für den Prozess, bei dem der Hauptakteur fehlt, sind 19 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll am 21. Juni gesprochen werden. (je)
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7 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 31.03.2016 | 18:52  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 31.03.2016 | 19:40  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 01.04.2016 | 08:50  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 01.04.2016 | 12:07  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 04.04.2016 | 13:17  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 04.04.2016 | 16:07  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 04.04.2016 | 20:15  
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