Krankenhaus für Ernstfall gerüstet

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Prüfingenieur Hartmut Meyer bestätigt: Die scharfe Dieselprobe ist problemlos verlaufen Foto: je
 
Betriebstechniker Abdallah Jebabli (35) vor dem Notstromaggregat auf Basis eines Schiffsdiesels Foto: je
Hamburg: Alphonsstraße 14 |

„Scharfe Dieselprobe“ in der Asklepios-Klinik Wandsbek

Martin Jenssen
Wandsbek
Es ist 14 Uhr. Plötzlich fällt das Licht aus. Die Fahrstühle bleiben stehen. Die Fernseher werden dunkel, Radios hören auf zu dudeln. Stromausfall in Wandsbek. Ein Supergau für die Asklepios-Klinik? Nein. Es dauert nur elf Sekunden, dann geht das Licht in der Klinik wieder an.

Gewollter Stromausfall

Der kurze Stromausfall vorvergangene Woche in der Asklepios-Klinik Wandsbek war gewollt. Es war ein Test. Denn sollte es wirklich einen Stromausfall in Wandsbek geben, darf es bei der Notversorgung im Krankenhaus keine Pannen geben. Der Name der Operation: „Scharfe Dieselprobe“. In den Elektro-Betriebsräumen im Erdgeschoss ist die Klinik ausgerüstet wie ein gewaltiger Ozeanriese. Ein Notstromaggregat auf Basis eines Schiffsdiesels, der auf zwölf Zylindern läuft, ist dort ständig in Einsatzbereitschaft, um die Stromproduktion bei einem Ausfall der städtischen Stromversorgung zu übernehmen. Für den Test hat Rüdiger Purwin, der technische Leiter in der Asklepios-Klinik Wandsbek, die Knöpfe der normalen Stromversorgung auf „Aus“ gedrückt. Fast gleichzeitig ertönt gewaltiger Lärm aus dem Nebenraum, in dem der Dieselmotor steht. Er ist sofort angesprungen. Elf Sekunden später läuft die Notversorgung. Der Motor schafft etwa 50 Prozent der Leistung, die das Krankenhaus normal verbraucht.

Test läuft eine Stunde

Eine Stunde dauert der Test. In dieser Stunde bleibt der Kaffee in der Krankenhauskantine kalt. Das Café liegt im Dunkeln. Auf den Fluren brennt nur halbes Licht. Dafür haben alle Bereiche, die für die Versorgung der Patienten wichtig sind, die volle Stromleistung. Die 15 Techniker der Asklepios-Klinik sind bei diesem Test im vollen Einsatz. „Alle wichtigen Geräte werden überwacht. Außerdem besetzen wir die Fahrstühle, um ihre Funktion und Reaktion bei dem Ausfall zu überwachen. Gleichzeitig beruhigen wir die Fahrgäste, die sich zu dem Zeitpunkt des Ausfalls im Fahrstuhl befinden“, erklärt Betriebstechniker Abdallah Jebabli. „In allen Krankenhäusern muss die Notversorgung einmal im Jahr durch solche Tests geprüft werden. Wegen der vielen Modernisierungsarbeiten und technischen Neuerungen, durch die unser Krankenhaus erhalten hat, prüfen wir lieber zweimal im Jahr“, sagt Rüdiger Purwin. Auch diesmal klappt es perfekt. Das bestätigt Prüfingenieur Hartmut Meyer.

Rundum gesichert

Die Sicherungsmaßnahmen in der Asklepios-Klinik gehen allerdings über das Notstromaggregat hinaus. Es gibt Bereiche, wie die Operationssäle und die Intensivstation, in denen es nicht einmal die Elf-Sekunden-Lücke geben darf. Dort gibt es die „Batteriebetriebene Sonderversorgung“ (BSV), die ohne Verzögerung Strom liefert. Besonders gesichert sind auch die Elektrokabel, die durch die Kabelschächte des Krankenhauses laufen. Sie haben eine spezielle feuerhemmende Isolierung, so dass sie selbst bei einem Brand über 90 Minuten ihre Leistung halten. Nach der „scharfen Dieselprobe“ hat der große Schiffsdiesel im „Bauch“ der Asklepios-Klinik Wandsbek sechs Monate seine Ruhe – es sei denn, es gibt einen Stromausfall in
Wandsbek.
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