Sein Herz schlägt für Cordi

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Das am 14. September 1924 eingeweihte Stadion Marienthal wurde etwa 85 Jahre danach, genau am 22. Mai 2009, zu Grabe getragen Foto: privat
 
Der 78-jährige Werner Platthoff wird auch liebevoll „Nostalgie-Werner“ genannt Foto: sim
Hamburg: Oktaviostraße |

„Nostalgie-Werner“ trauert um Stadion. Auf Gelände an der Oktaviostraße werden acht Häuser gebaut

Von Siegmund Menzel
Marienthal
Vom ehemaligen Fußballstadion in Marienthal ist bald nichts mehr zu sehen. In den nächsten Wochen verschwinden die Reste der Haupttribüne. Der Wall, wo einst die Zuschauer von den Stehplätzen aus Concordia Hamburg anfeuerten, wird abgetragen. Im August 2017 möchte die Behrendt-Gruppe an der Oktaviostraße den Grundstein für acht Häuser legen (das Wochenblatt berichtete). Dabei handelt es sich um Doppelhäuser, Stadthäuser und Wohnungen, insgesamt 21 Einheiten. Das Unternehmen hatte bereits mehrmals sonntags zu Beratungsterminen vor Ort eingeladen. Das Interesse sei groß, verkauft wurde auch schon, wie die Behrendt-Gruppe auf Wochenblatt-Anfrage mitteilte. Hinter den Gärten von „Les Maisons“ werde ein Naturraum beginnen, der in den benachbarten Wald übergeht. Zuletzt waren auf dem Areal Flüchtlinge in Containern untergebracht. Fußball gespielt wird dort schon seit 2009 nicht mehr.

Cordi-Lied verstummte

Ja, leider. Mit Wehmut denkt Werner Platthoff an den 22. Mai 2009, als die rot-schwarzen Concordia-Fußballer im Stadion Marienthal letztmalig auf Torejagd gingen. Das Oberliga-Punktspiel gegen Bergedorf endete vor 555 zahlenden Zuschauern 3:1 für seinen Verein. Das Cordi-Lied mit dem Text „Wir Concorden haben eine Heimat, und diese Heimat heißt Marienthal...“ verstummte. Der Abschied habe weh getan, das 1924 eingeweihte Stadion sei Kult gewesen, meint der 77-Jährige. Tausende strömten einst zu den Spielen in das „Schmuckkästchen“ am Marienthaler Gehölz, sie sorgten für eine tolle Atmosphäre im reinen Fußballstadion. Platthoff ist aber Realist, „den Unterhalt der Sportstätte konnte der Verein finanziell nicht mehr stemmen“.

Chronist des Wandsbeker TSV Concordia

Noch heute kann sich der Rentner nicht mit der neuen Spielstätte am Bekkamp in Jenfeld anfreunden. Fan ist er jedoch geblieben. Bei allen Heim- und einigen Auswärtsspielen in der Oberliga ist der Familienvater dabei. Man könne Dinge wie die Wohnung oder den Beruf wechseln, aber nicht den Verein. Sein erstes Spiel als Zuschauer hatte Platthoff als Kind im August 1948 gesehen. Später kickte er selbst im Nachwuchsbereich bei Concordia. Aber nicht lange, andere Sachen wie Mädchen wurden wichtiger. Seine Liebe zu Concordia aber blieb. Werner Platthoff ist zugleich Chronist des Wandsbeker TSV Concordia, gehörte 2007 zu den Autoren der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Vereins. Einige Mitglieder nennen ihn auch „Nostalgie-Werner“. Er kommt ganz schnell ins Schwärmen, wenn vom Verein oder vom ehemaligen Stadion in Marienthal die Rede ist.

HSV siegte mit 16:1

Der Platz ist am 14. September 1924 vom Wandsbeker Oberbürgermeister Rodig seiner Bestimmung übergeben worden. Innerhalb von zwei Jahren schuf der 1907 an der Landwehr gegründete Verein durch viele freiwillige Arbeitsstunden und den Verkauf von „Bausteinen“ als Spendenaktion, aber ohne finanzielle Hilfe von staatlicher Seite, sein Sportgelände. Gegner bei der Premiere war der damalige amtierende Deutsche Meister HSV aus dem benachbarten Hamburg. Der Gast fertigte Cordi mit 16:1 ab.

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