Theater in der Trauerhalle

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Die Profi-Bestatter Anke und Sönke Wulff spielen selber mit. Sie spielen ein Paar, das für die Mutter bei Heimleiter Jochen Skoppek (Mitte) einen Platz in der Seniorenresidenz ersucht, während ständig ein Sarg herausgetragen wird. Foto: Fuchs
 
Frank Grammersdorf und Niels Krüger im Rollstuhl spielen Bewohner des Altenheimes. Foto: Fuchs

Das Bestattungsinstitut Wulff & Sohn in Norderstedt lädt zu einer schwarzen Komödie ein

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Ein wirklich seltsamer Ort für eine schwarze Komödie. Manche möge ihn aber auch passend finden. Auf jeden Fall ist es ungewöhnlich, dass ein Bestattungsinstitut seine Trauerhalle für eine Woche in einen Theatersaal verwandelt. Dort, wo sonst die Angehörigen um ihre frisch verstorbenen Liebsten weinen, sollen vom 9. bis 18. November bis zu 80 Zuschauer über makabre Witze lachen. „Kreuzfahrt in den Sonnenuntergang des Lebens“ heißt das Stück, das bei Wulff & Sohn in der Segeberger Chaussee 56-58 sechsmal mit erfahrenen Darstellern des Norderstedter Amateurtheaters (NAT) und Mitarbeitern der Firma aufgeführt wird. Initiator dieser Aktion ist der Bestattungsunternehmer Sönke Wulff selbst, der den Betrieb zusammen mit seiner Frau Anke in dritter Generation führt, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert.

Sargausstellung

Im April überraschte Wulff die Norderstedter mit einer sehr extravaganten und skurrilen Ausstellung von Särgen aus Afrika. Da hatten sich Stammesführer und Häuptlinge in Ghana in knallbunten und kunstvoll handgefertigten Behältnissen beerdigen lassen, die die Formen von Adlern, Löwen, Hühnern, Schmetterlingen, Flugzeugen, Langusten oder sogar Turnschuhen hatten. Und nun lässt er Theaterspielen in seiner Hauskapelle. „In unserer Gesellschaft wird der Tod oft verdrängt, nicht darüber geredet“, begründet Sönke Wulff, wie er dazu kam. „Ich möchte, dass die Menschen die Scheu davor verlieren und sich mit diesem Thema ganz normal beschäftigen.“ Die Verbindung zum Theater ergab sich vor ein paar Jahren, als das NAT-Ensemble für genau dieses Stück einen Sarg brauchte und Firma Wulff diesen in Eiche zur Verfügung stellte. „Als Dank erhielten wir für unsere Mitarbeiter Freikarten und haben uns köstlich amüsiert“, erzählt Sönke Wulff. „Das Theaterstück behandelt das Thema Tod auf lockere und heitere Art, zeigt Ironie und rabenschwarzen Humor. Da haben wir sofort gedacht, es einmal in unserer Hauskapelle aufzuführen.“ Das Jubiläumsjahr 2012 schien ihnen der ideale Zeitpunkt dafür. Und natürlich ließen sich Anke und Sönke Wulff nicht lange von Regisseurin Benita Brunnert vom NAT-Theater bitten, selber mitzuspielen. „Wir spielen ein Ehepaar, das einen Platz für seine Mutter in der noblen Seniorenresidenz sucht“, erklärt Anke Wulff. „Mein Mann ist dagegen, ihm ist es zu teuer.“

Kuriose Todesfälle

Das ist vielleicht auch ganz gut so. Denn in dem Altenheim häufen sich die Todesfälle. „Die Bewohner kommen auf ganz kuriose Art und Weise ums Leben“, erklärt Regisseurin Brunnert. Die Zuschauer hätten viel zu lachen. Und das Ende der zweistündigen Aufführung sei „sehr überraschend“, verspricht sie.
Pietätslos sei das Theaterstück in der Trauerhalle keineswegs, findet Anke Wulf. „Wir haben sehr viel positive Resonanz von der Ausstellung der Särge aus Afrika erhalten. Und auch unsere Lesung ‚Hier liegen Sie richtig’ kommt bei den Zuhörern gut an. Wir wollen erreichen, dass die Menschen sich trauen, in ein Bestattungsinstitut zu gehen.“
Trauen mussten sich auch erst die erfahrenen Darsteller des NAT-Theaters. Als bei den ersten Proben im Sommer immer wieder (echte) Särge hereingetragen wurden, sei dem einen oder anderen doch etwas mulmig zumute geworden, erzählt Regisseurin Brunnert. „Das ist ja auch für uns Neuland. Da mussten erst Hemmungen abgebaut werden.“ (bf)

Die Aufführungen sind jeweils freitags bis sonntags (9. bis 11. und 16. bis 18. November) um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mögliche Spenden kommen der Uwe-Seeler-Stiftung zugute. Um vorherige Anmeldung für die 80 Sitzplätze wird gebeten. Tel.: 040-5296173. Die Premiere ist allerdings schon ausgebucht. (bf)
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