Aktive Zeitzeugen

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Die 13 Mitglieder der Erinnerungswerkstatt vor dem DRK-Haus, in dem sie sich regelmäßig treffen Foto: now

Wie die Erinnerungswerkstatt arbeitet

Norderstedt Es ist voll im Besprechungsraum des DRK-Hauses an der Ochsenzoller Straße. 13 Männer und Frauen sind zum Treffen der Erinnerungswerkstatt gekommen. Wie jeden zweiten Dienstag im Monat, das nächste Mal am 10. Februar. Auf dem Besprechungstisch stehen jedoch diesmal zwei Kuchen, es gibt russischen Sekt. Elena Orkina, die 1993 aus Moskau nach Deutschland übergesiedelt ist, hat ihn zum russischen Neujahrstag mitgebracht. Und so müssen die Erinnerungen heute etwas warten...
Über 930 Geschichten haben die Senioren in zehn Jahren gesammelt, geschrieben, redigiert und online gestellt. Die Erzählungen handeln davon, was die Zeitzeugen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Günter Matiba berichtet über die Fahrt nach Ostpreußen, an Alltagserlebnisse in Garstedt erinnert sich Inge Hellwege, Ernesto Potthoff beschreibt seine Kindheit in Argentinien. „Wir sind keine Historiker“ betont Hartmut Kennhöfer. Doch gerade die persönlichen Erfahrungen machen den Reiz der Sammlung aus. Im vergangenen Jahr erschien das Buch „Dennoch haben wir gelacht“. Nach drei Monaten waren die ersten 500 Exemplare verkauft, die zweite Auflage von 400 Stück ist fast vergriffen und der Verlag wird erneut nachdrucken.
„Wir wollten jungen Leuten die Geschichte erzählen, bevor es keinen mehr gibt, der sich erinnert“, sagt Hartmut Kennhöfer, Mitbegründer der offenen Werkstatt. Seit 2004 stehen die Texte im Internet. „Zu uns kommen die 20-Jährigen, die nach Zeitzeugen für Studienarbeiten oder ähnlichem suchen. Dann die 40-Jährigen, die ihren Kindern etwas aus dieser Zeit erzählen wollen. Und ab 60 kommen die Leute, die bei uns schreiben wollen“, sagt Kennhöfer. Zwischen elf und 15 Autoren besuchen die Werkstatt regelmäßig. Mit wachsender Zahl der Texte kam die Idee, ein Buch herauszubringen.
Die Texte wurden in wöchentlichen Redaktionssitzungen ausgewählt, bearbeitet und schließlich für den Druck vorbereitet. Viele Exemplare wurden von älteren Lesern gekauft, auch Altenheime haben das Buch bestellt – „für ihre Auszubildenden, damit die sich besser in Senioren einfühlen können“, berichtet Autorin Margot Bintig. (now)
Weitere Infos: www.erinnerungswerkstatt-norderstedt.de
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