Alles Gute, Eiermann!

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Harald Kolumbe neben seinem Stand auf dem Garstedter Wochenmarkt am Herold-Center

Harald Kolumbe vom Norderstedter Wochenmarkt geht in den Ruhestand

Von Claudia Blume
Norderstedt. Seit 42 Jahren klingelt jeden Morgen um 4.30 Uhr der Wecker für Harald Kolumbe. Nach dem Aufstehen geht es mit dem Gespann zum Wochenmarkt, freitags steht es beim Herold Center. Dort wird der Eiermann aus Moorrege im Kreis Pinneberg bereits von seinen zahlreichen Stammkunden erwartet. 45.000 kleine und große, braune und weiße Eier gehen pro Woche bei dem gelernten Landwirtschaftsmeister über den Tresen. Für Kinder hat er immer einen Lolli parat, Damen bekommen einen charmanten Spruch mit auf den Heimweg – „das gehört zum Marktgeschehen einfach dazu.“ Doch damit ist nun Schluss.
Der 76-Jährige geht in den Ruhestand.

„In meinem Alter steckt man das stundenlange Stehen bei Wind und Wetter nicht mehr so leicht weg, und die Schmerzen in den Beinen gehen leider auch nicht mehr weg“, kommentiert das Urgestein des Norderstedter Wochenmarktes seinen Entschluss. Leicht ist es ihm nicht gefallen, seinem Sohn Thorsten das Feld zu überlassen, doch den Rückzug vom jahrzehntelangen Knochenjob ist auch seiner Frau geschuldet. Lotti ist seit 51 Jahren immer an Haralds Seite. Zusammen bewirtschafteten sie bis 1993 einen Hof in Heist mit 1.800 Hühnern und vermarkteten die Waren mit dem Eier-Mobil an Privatleute, Eisdielen und Restaurants im Hamburger Umland.

Mehr Zeit fürs Private

Für seine bessere Hälfte kaufte der geschäftstüchtige Ehemann 1973 ein Campingzelt, schnitt beherzt ein Loch hinein und fertig war ihr eigener Geflügelstand. Im diesen Jahres brach die 71-Jährige auf dem Markt am Herold-Center zusammen. Im Krankenhaus bekam sie eine neue Herzklappe – die Wochenmarkt-Strapazen kamen nicht mehr in Frage. „Es ist Zeit für uns beide aufzuhören“, sagt Harald Kolumbe, der nun Freizeit- und Reisepläne statt Preisgestaltung im Kopf hat. „Ich möchte mich bei meinen vielen Stammkunden ganz herzlich für ihre langjährige Treue bedanken“, sagt der Senior gerührt und fügt hinzu: „Ganz weg bin ich ja nicht.“ Denn Wochenmarkt ohne Eier-Kolumbe geht dann doch nicht. Künftig unterstützt er seinen Sohn am Verkaufsstand. Für den geliebten Klönschnack auf dem Markt bleibt genügend Zeit, auch wenn der Wecker nun erst um 7 Uhr klingelt.
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