Ansturm auf die Kleiderkammer

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Jomana Saker aus Syrien sucht sich in der Kleiderkammer warme Sachen aus Foto: now

Helfer kommen kaum mit Sortieren der Spenden nach. Zahl Bedürftiger hat sich verdreifacht

Von Stefanie Nowatzky
Norderstedt
Jomana Saker freut sich. Einen schönen warmen Pullover in fröhlichem Pink hat die Syrerin sich gerade aus dem Regal in der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an der Ochsenzollerstraße ausgesucht. Vor vier Tagen ist sie in Norderstedt angekommen, eine 20-tägige Flucht über die Türkei, das Mittelmeer, Griechenland, Serbien und Mazedonien liegt hinter ihr. Jomana ist mit dem Willkommen-Team zur Kleiderkammer gefahren und darf sich hier warme Kleidung aussuchen.
Seit Wochen arbeiten die 25 Ehrenamtlichen der Kleiderkammer unermüdlich, um der Menge an gespendeter Kleidung auf der einen Seite und dem Ansturm der vielen Bedürftigen auf der anderen Seite zu bewältigen. „Im letzten Jahr hatten wir knapp über 11.200 Kleidungsstücke, die wir ausgegeben haben. In diesem Jahr sind es bisher zwischen 40.000 und 50.000“, zählt DRK-Vorsitzender Christoph von Hardenberg auf. Dreimal in der Woche werden die vier DRK-Spendencontainer geleert, die Kleidung von den ehrenamtlichen Helferinnen rund um Annemarie Schüder per Hand sortiert und zweimal in der Woche ausgegeben. Drei Container stehen direkt am DRK-Haus, einer am Kielortring. „Wir sind die einzigen, die kostenfrei und ehrenamtlich die Kleidung sortieren und verteilen“, so Hardenberg.
Jeden Dienstag kommen zwischen 120 bis 140 Menschen, um alle drei Monate hier kostenfrei ihre Garderobe oder auch Handtücher und Bettwäsche zu ergänzen. „Früher waren es nur 40 pro Ausgabe-Tag“, so Hardenberg. Die Zahl der Bedürftigen hat sich mindestens verdreifacht. „Wenn es so voll ist, wünsche ich mir manchmal einen starken Mann an der Tür, der für Ordnung sorgt.“ Zusätzlich kommt jeden Freitag um zehn Uhr das Willkommen-Team mit neuen Flüchtlingen, die sich kostenfrei eine Erstausstattung aussuchen dürfen.

Winterkleidung in kleinen Größen gesucht


Schon 5.500 Menschen waren in diesem Jahr an der Ausgabe, im Vorjahr waren es noch knapp unter 2.000. Weil das Team seit Wochen Schwerstarbeit leistet, hat Christoph von Hardenberg allen Helfern eine kurze Verschnaufpause spendiert – eine gemeinsame Fahrt nach Haselhorst. Auch die Spendenbereitschaft scheint eine kurze Verschnaufpause einzulegen. „Diese Woche hatten wir nur halb so viel Kleidung wie in den Vorwochen“, so Hardenberg. Gebraucht werden jetzt Winter-Jacken mit Kapuzen und Winterschuhe, gerne auch warme Pullover und Hosen. Vor allem für Männer in Größe S oder M. Sommerkleidung kann die Kleiderkammer nicht annehmen. „Wir haben dafür keinen Lagerplatz. Wenn wir den extra anmieten würden, wäre das viel zu teuer“, so der DRK-Chef.
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