Aus Mangel an tiefen Brummern

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Die Männerchorgemeinschaft bei einem ihrer Auftritte. Mittlerweile hat sich der Chor aufgelöst, einige Sänger musizieren in anderen Chören weiter Foto: blu

Ende der Männerchorgemeinschaft Norderstedt nach 105 Jahren. Einige singen nun woanders

Von Claudia Blume
Norderstedt
Was 1909 im Wirtshaus „Zur Ohe“ in Garstedt begann, fand im Dezember 2014 quasi nebenan im „Porterhouse“ sein Ende. Nach 105 Jahren verkündete die Männerchorgemeinschaft Norderstedt – bis 1973 Garstedter Männergesangverein – ihr Ende und verspeiste im wahrsten Sinne des Wortes die Vereinskasse.
„Wir haben nicht mehr genügend Stimmen.“ So begründet Niels-Gernot Günther das Aus einer Tradition, die zum 100. Jubiläum sogar mit der staatlichen Zelter-Plakette ausgezeichnet worden war. Auch für den Vorsitzenden überraschend, brach Ende des vergangenen Jahres auf einen Schlag der gesamte zweite Bass weg – aus Krankheitsgründen oder nachdem Mitglieder, aufgrund ihres Alters, den Führerschein abgegeben hatten und nicht mehr mobil waren. Doch ohne die „tiefen Brummer“ war der Chor nicht mehr auftrittsfähig. Das Markenzeichen für Männerchöre, die durch ihr Stimmvolumen begeistern, fehlte.
Bis zuletzt standen 15 ältere Herren zwischen 66 und 82 Jahren etwa fünf Mal pro Jahr im Festsaal am Falkenberg auf der Bühne. In Hochzeiten zählten sie sogar 40 Sänger, die in weinroten Jacketts und schwarzen Hosen musizierten. Operettenmelodien, Volkslieder, aber auch Songs von Udo Jürgens oder Reinhard Mey hatte die Männerchorgemeinschaft im Repertoire – sie wollte mit der Zeit gehen.

„Zum einen ist das Freizeitangebot in Norderstedt sehr vielfältig, zum anderen scheuen sich viele Menschen in einen Verein zu gehen und Verpflichtungen zu übernehmen.“ Niels-Gernot Günther

Auch wenn Konzerte und Auftritte bei der Waldweihnacht, in Seniorenheimen und Begegnungsstätten immer gut besucht waren, fanden sich selten neue Sangesbrüder. „Zum einen ist das Freizeitangebot in Norderstedt sehr vielfältig, zum anderen scheuen sich viele Menschen in einen Verein zu gehen und Verpflichtungen zu übernehmen“, so Niels-Gernot Günther. Für den 72-Jährigen ist zwar die Männerchorgemeinschaft Geschichte, jedoch kein Grund mit dem Singen aufzuhören. Wie er haben auch andere Mitstreiter Kontakt zur ehemaligen „Konkurrenz“ aufgenommen. Beim Männergesangsverein (MGV) Friedrichsgabe/Harkheide der Chorgemeinschaft Alster Nord würde man sich über Verstärkung freuen, wie Vorstand Adolf Wenthe betont. Tenor Günther sagt selbstbewusst: „Unsere Sänger sind für jeden Chor ein Gewinn, denn er bekommt sichere und erfahrene Stimmen.“ Gut möglich, dass der MGV beim nächsten Konzert im Mai in einer größeren Formation auftreten wird.
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