Beerdigung mit Leckerli

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Links: Friedhofspächter Jürgen Becker vor dem Grab seines Haus- und Hofkaters Jerry. Er besucht die Ruhestätte täglich Fotos: blu

Auf dem Tierfriedhof Nord finden viele Lieblinge ihre letzte Ruhe

Von Claudia Blume
Dunaji hat ihren Platz gefunden. Auf einer Wiese am Waldrand, beschattet von einer kleinen Harlekinweide erinnert eine braun-rote Marmorplatte mit einem Foto an die Dalmatinerhündin, die hier begraben liegt. Jedes Wochenende bekommt sie Besuch von ihrer Besitzerin. „Viele Menschen möchten für ihre verstorbenen Haustiere einen Ort zum Trauern und Erinnern haben“, sagt Jürgen Becker, der Pächter des Tierfriedhofes. Wer keinen Garten hat, möchte die liebgewonnenen Freunde nicht würdelos im Gebüsch einbuddeln – zumal das verboten ist. Deshalb gibt es seit
36 Jahren den Tierfriedhof Nord am Rande Norderstedts. Auf einem zwei Hektar großen, parkähnlichen Gelände am Tangstedter Forst finden Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen oder Vögel ihre letzte Ruhe. „Angelina“, „Bärchen“, „Vox“, „Dicker“ und „Rolex“ – sie alle haben liebevoll gepflegte Grabstellen, mit Gedenksteinen, auf denen oft der Name des Tieres und das Wort „Danke“ steht. Danke für die gemeinsame Zeit, Zuneigung und Treue. Jürgen Becker und sein Mitarbeiter Martin Liedloff haben immer ein offenes Ohr, denn sie leisten wichtige Trauerarbeit für ihre Kunden. „Die meisten Menschen möchten von ihrem Tier erzählen, wie sie zusammengefunden und was sie erlebt haben, auch von dem Verlust“, sagt Liedloff, „andere dagegen wollen nur schnell alles regeln und dann wieder weg.“ Zu besprechen ist, wie Hund, Katze oder Wellensittich beerdigt werden soll – anonym mit einem Gedenkstein oder in einem Einzelgrab? Eine Bestattung kostet ab 30 Euro, die Jahrespacht für ein Grab ab 40 Euro.

24 Stunden Bereitschaft

Erhält der Weggefährte einen Sarg, eine Urne oder wird er in seine Lieblingsdecke aus dem Körbchen eingehüllt? Die Beisetzung findet auf Wunsch sofort statt. Zuvor holt das Team vom Tierfriedhof Nord das verstorbene Tier zuhause oder beim Tierarzt ab, es kann aber auch gebracht werden. Jürgen Becker hat rund um die Uhr Rufbereitschaft. „Viele Menschen haben das Lieblingsspielzeug ihres Hundes oder Leckerlis dabei, sogar ein Leberwurstbrot wurde auf die letzte Reise mitgegeben“, erinnert sich der Poppenbütteler, der nicht selten sogar gestandene Männer weinen sieht.
„Oftmals besteht zu dem Vierbeiner eine engere Bindung als zu anderen Zweibeinern, darum ist dieser Ort so wichtig zum Abschied nehmen. Wer keine Beziehung zu Tieren hat, für den ist das alles hier ohnehin total verrückt und überflüssig.“ Wie tief die Liebe gehen kann, zeigt ein Hundegrab gleich neben dem Eingang des Friedhofes. Dort bewacht eine kniehohe Löwenstatue die Ruhestätte eines Shih-tzu. Der tibetanische Löwenhund hatte nicht nur ein Herz wie ein Löwe, sondern kämpfte bis zum Ende mutig gegen seine Krankheit.
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