Buddys, die helfen

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Maike Thomssen (r.)und Anas aus Damaskus, der das Willkommen-Team als „Buddy“ unterstützt Foto: blu

Flüchtlinge zeigen Landsleuten den Alltag in Norderstedt

Von Claudia Blume
Norderstedt
Pünktlich um neun Uhr steht Anas im Büro der Flüchtlingsunterkunft Fadens Tannen, um zehn Neuankömmlinge aus dem Irak, Eritrea und dem Jemen zur Kleiderkammer in Garstedt zu begleiten. Maike Thomssen (47) lächelt den 23-jährigen Syrer dankbar an: „Er ist einer meiner wichtigsten neuen Helfer.“
Als Koordinatorin der vielen Ehrenamtler im Willkommen-Team hat sie vor vier Wochen ein sogenanntes „Buddy-System“ eingeführt. Flüchtlinge, die bereits gut vernetzt sind, unterstützen Landsleute und andere bei der Erstorientierung. Wie funktioniert das öffentliche WLAN-Netz „Mobyklick“? Wo kann man günstig einkaufen? Welcher Schlachter hat Halal-Fleisch? Wie kommt man mit Bus und Bahn zur nächsten Moschee? Welche Freizeitangebote gibt es? Fragen, auf die ein „Buddy“ Antworten hat, mitgeht und zeigt – mit dem entscheidenden Vorteil, dieselbe Sprache zu sprechen, in der Regel Arabisch. So begleitet Anas „Neu-Norderstedter“ auch ins Rathaus, um zu übersetzen, aber auch zur Tafel und zur Kleiderkammer.
„Ihr Einsatz entlastet uns zeitlich enorm“, sagt Maike Thomssen. Bislang hat sie sieben „Buddys“ unter den Flüchtlingen gewonnen, die ihr Wissen weitergeben möchten, zudem pünktlich und zuverlässig sind. „Wir planen, für jede Unterkunft einen Pool zusammenzustellen, damit die Menschen vom ersten Tag an auch einen Ansprechpartner haben, der ihre Sprache spricht und damit das Ankommen erleichtert“, so Thomssen. Die Identifikation mit der wichtigen Aufgabe ist unter den neuen „Buddys“ groß. „Sie sind begeistert dabei und stolz, etwas Sinnvolles zu tun.“ Das sieht man Anas an, der über das ganze Gesicht strahlt. „Ich möchte den Norderstedtern und vor allem dem Willkommen-Team, etwas zurückgeben“, sagt der Syrer. Obwohl er erst seit vier Wochen in Norderstedt lebt, kennt er sich bestens aus. „Ich kann doch nicht den ganzen Tag auf dem Zimmer sitzen“, sagt er mit Nachdruck. Und weiter: „Ich bin ein aktiver, interessierter Mensch und möchte meine neue Umgebung möglichst schnell kennenlernen – und das sollte anderen ebenso gehen.“ Er hofft, nach Abschluss seines Asylverfahrens sein IT-Studium wieder aufnehmen zu können. Bis dahin paukt der 23-Jährige täglich deutsch und assistiert dem Willkommen-Team.
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