Das Rezept für 108 Jahre

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Die zwölfjährige Johanna besucht ihre bald 108-jährige Urgroßtante jede Woche Foto: blu

Norderstedts älteste Bürgerin hat am 24. November Geburtstag

Von Claudia Blume
Norderstedt
Sehr klein und sehr zerbrechlich wirkt Grete Pierrets in der Ecke ihres cremefarbenen Sofas. Ihre weißen Haare sind frisiert, die Perlenkette farblich passend zum Pullover ausgesucht, der Blick wach und offen. Kaum zu glauben, doch am 24. November feiert Norderstedts älteste Bürgerin ihren 108. Geburtstag! Auf den großen Rummel verzichtet die alte Dame: „Zu meinem 100. sind wir mit der ganzen Familie ins Restaurant gegangen, doch inzwischen bleibe ich lieber zu Hause.“ Gemeint ist das Alten- und Pflegeheim „Haus Lütjenmoor“, in dem Grete Pierrets seit zehn Jahren eine Einzimmerwohnung bewohnt. Fast täglich bekommt sie Besuch von ihrer Nichte Edith Burmester (79), die auf der anderen Straßenseite wohnt.

Enge Beziehung zur Urgroßnichte


Ihr liebster Gast ist jedoch Urgroßnichte Johanna. Die Zwölfjährige kommt mindestens einmal pro Woche auf dem Heimweg vom Coppernicus-Gymnasium vorbei. „Meistens puzzeln wir zusammen und Tante Grete erzählt mir Geschichten von sich und ihrem Lieblingsbruder Heini, den sie leider im Krieg verlor“, sagt Johanna. Auch wenn sie vieles mehr als einmal gehört hat, so fragt sie dennoch immer nach, „weil es Tante Grete glücklich macht, darüber zu sprechen.“ Früher sind die beiden gern spazieren gegangen, doch schon länger war die Seniorin nicht mehr so gut zu Fuß – im diesem Frühjahr musste sie sich sogar zweimal operieren lassen und bekam zwei künstliche Hüftgelenke. „Zum Herumlaufen in meinem kleinen Reich reicht es nun wieder“, sagt die betagte Dame, die in Rothenburgsort aufgewachsen ist. Ihr liebstes Ausflugsgebiet war der Alsterwanderweg , den sie von ihrem kleinen Reihenhaus in Fuhlsbüttel, in dem sie bis ins 98. Lebensjahr wohnte, in langen Wanderungen erkundete – oft allein, denn ihr Mann blieb im Krieg und Sohn Günther starb mit nur 17 Jahren an Asthma.

Sie mag Kaffee schwarz und warmes Bier


Ihren Lebensmut hat Grete Pierrets dennoch nicht verloren und will ihr hohes Alter auch nicht mit „guten Genen“ erklären – schließlich ist keiner aus ihrer Familie über 90 Jahre geworden. Vielmehr schwört sie morgens auf schwarzen Kaffee und abends auf zimmerwarmes Bier. „Das hält jung“, sagt das Geburtstagskind in spe und lächelt verschmitzt.
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