Den „Waldpiraten“ droht die Auflösung

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Die Kinder der Waldgruppe auf ihrer täglichen Tour. Ab August müssen sie vielleicht in eine andere Gruppe wechseln Fotos: blu

Stadtverwaltung will Halbtagesgruppe wegen zu hoher Kosten einstellen. Jugendhilfeausschussvorsitzende dagegen

Von Claudia Blume
Norderstedt. Von Montag bis Freitag, immer zwischen acht und 15 Uhr, gehen die Waldpiraten auf Entdeckungstour. Die drei- bis sechsjährigen Waldkinder der Kita Storchengang erobern und erforschen acht Hektar Rantzauer Forst, erleben dabei die Natur bei Wind und Wetter mit allen Sinnen.
Doch damit soll ab Sommer Schluss sein. Aufgrund zu geringer Anmeldezahlen, hoher Belastung für Personal und Kinder, langer Wege und räumlicher Enge beim Mittagessen in der Kita will die Stadtverwaltung das Angebot einstellen. Als Träger hat das „Amt für junge Menschen“ ausgerechnet, dass die Dreivierteltagesgruppe der Waldpiraten pro Jahr 136.000 Euro kostet. Dem stehen lediglich 57.000 Euro an Erträgen aus Elterngebühren und Zuschüssen von Kreis und Land gegenüber. Auch der Personalschlüssel mit 2,8 Stellen ist im Vergleich zu 2,1 für eine Elementargruppe höher und somit teurer. Zudem würden die Anmeldezahlen für Waldpädagogik seit Jahren sinken.
Für dieses Jahr hätten lediglich vier Eltern ausschließlich Interesse an einer halbtägigen Waldgruppe. Für eine längere Betreuung bis 15 Uhr gab es immerhin zwölf Anmeldungen bei den Waldpiraten – darunter wären fünf aber auch mit einem Halbtagesplatz zufrieden, ergab eine Prüfung des Amtes. Die Halbtagesgruppe der Kita Forstweg sowie zwei Awo-Gruppen wiesen 2011 elf, 2012 sieben und 2013 wiederum elf freie Plätze auf. Diese freien Plätze könne man den Eltern der Waldgruppen-Kinder in der Kita Forstweg anbieten.
Doch damit will es Petra Müller-Schönemann, CDU-Stadtvertreterin und Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses nicht bewenden lassen. „Wir sind um jede Elementargruppe in Norderstedt verlegen und wollen nicht auf die 15 Plätze der Waldpiraten verzichten. Viele berufstätige Eltern sind auf längere Kinderbetreuung angewiesen. Ich bitte die Verwaltung, nochmals sehr genau zu überprüfen, ob sich doch Möglichkeiten bieten, die Dreiviertel-Tagesgruppe bestehen zu lassen.“ Nicht nur finanziell ist es für die Waldpiraten eng. Da aus hygienischen Gründen kein Mittagessen im Wald serviert werden darf, geht’s für die Kleinen zur Kita Storchengang zurück. Fast eine halbe Stunde sind sie unterwegs und müssen sich mangels eigener Räume bis 15 Uhr den Platz mit anderen Gruppen teilen. Ein Anbau ist laut der Stadt Norderstedt nicht möglich, doch denkbar ist die Nutzung eines bestehenden Containers auf dem Bauspielplatz Holzwurm. „Dieser Raum wird bisher nachmittags für die offene Jugendarbeit genutzt. Man könnte ihn im Zuge einer energetischen Umgestaltung zusätzlich mit einer Ausgabeküche aufrüsten – damit wäre den Waldkindern sehr geholfen“, sagt Petra Müller-Schönemann und ist voller Hoffnung im Hinblick auf die nächste Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 8. Mai. Auch die Elternvertreter zeigen sich lösungsorientiert und bieten in einem Brief an die Politik eigenen Einsatz für eine Entlastung und Unterstützung der Erzieher an.
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