Die Steine des Anstoßes – Norderstedter gegen Komplettsanierung

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Mit seinem Gehwagen sind die hohen Bürgersteigkanten jetzt ein echtes Hindernis für Anwohner Gerhard Jelonnek Foto: Fuchs
 
Teilweise sind die Platten gut einen Zentimeter versetzt Foto: Fuchs

Anwohner im Falkenhorst sind genervt von Sanierungsaktion

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt
Zurzeit werden in der Reihenhaussiedlung Falkenhorst die Gehwege erneuert. 85 Prozent der geplanten Gesamtkosten von rund 110.000 Euro sollen die etwa 300 Anlieger in den betroffenen Straßen Matthias-Claudius-Weg, Gorch-Fock-Weg, Klaus-Groth-Weg und Fritz-Reuter-Straße selbst tragen. Das sorgt für Unmut bei Bürgern. „Die Gehwegplatten sind nur zum Teil sanierungsbedürftig. Die Versatze zwischen den Platten liegen im Millimeterbereich“, sagt Anwohner Hendrik Timm. „Eine vollständige Erneuerung, wie sie die Stadt jetzt vorhat, tut nicht Not“, sagt der Norderstedter. Darum wäre nur der Austausch einzelner Platten notwendig. „Aber dann müsste die Stadt die Kosten alleine tragen“, nennt Anlieger Werner Stolpe den wahren Grund, warum er glaubt, dass jetzt plötzlich die alten, aber meist noch gut erhaltenen Platten durch viel kleinere Betonrechteck-Pflastersteine ausgetauscht werden sollen.

Verärgerte Anwohner


Die Verwaltung kündigte diese Sanierungsmaßnahme, die nach deren Angaben jeden Grundstückseigentümer zwischen 500 und 1900 kosten soll, schriftlich an. „Die Gehwege sind aufgrund des Alters und der Abnutzung des Materials in einem schlechten Zustand“, heißt es. Dabei falle völlig unter den Tisch, dass jene Gehwegplatten, die nun in besonders miserablem Zustand sind, durch die unsachgemäßen Erdarbeiten im Zuge des Glasfaserausbaus der Stadtwerke vor 15 Jahren verursacht worden seien, ärgert sich Anwohner Gerhard Jelonnek. Auf diese Stolperfallen hatte er die Verwaltung seinerzeit schriftlich aufmerksam gemacht. Sie könnten „für ältere und behinderte Menschen eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten“, schrieb er. Eine Antwort habe er darauf nie erhalten, sagt Jelonnek. Doch vor etwa sechs Jahren scheint auch die Stadt Norderstedt das Malheur erkannt zu haben und tauschte ganze Abschnitte der Gehwegplatten aus.
Für den Rentner, der inzwischen auf einen Gehwagen angewiesen ist, stellen die neuen Betonrechteckpflaster eine zweifache Hürde dar. Zum einen hat die Stadtverwaltung die Bürgersteigkanten mit dem neuen Pflaster auf 12 Zentimeter in der Höhe verdoppelt und auch noch jene Bereiche, die vorher auf Straßenniveau abgesenkt waren, unverständlicherweise für die Anwohner soweit angehoben. Zum anderen rüttele es ihn jetzt immer durch beide Unterarme, wenn er seinen Rollator über die kleinteiligen Pflastersteine schiebt.

Stadt überprüft


Das Ziel der Anwohner sei, die Verwaltung davon zu überzeugen, dass eine Komplettsanierung unnötig sei, sagt Anwohner Horst Stoehr. „Das Geld könnte viel besser an anderer Stelle in der Stadt ausgegeben werden“, ist Anwohner Timm überzeugt. Zum Beispiel, indem das Kopfsteinpflaster auf dem Rathausplatz erneuern würde. Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek kündigt an,dass ein Gutachter jetzt noch mal die beitragsrechtlichen Fragen dieser Gehwegsanierung klären soll. Zudem würden die Fugen der bereits neu verlegten Betonrechtecksteine verfüllt, sobald die Witterung es zulasse.
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