Dürfen sie doch bleiben?

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Sollen nach Armenien abgeschoben werden: Artak mit seiner Ehefrau Karine und den drei Söhnen Roman (6), Erik (12) und Karen (11) Foto: fnf

Tausende kämpfen gegen Abschiebung von Familie Hakopjan aus Nahe

Von Finn Fischer
Norderstedt. Es ist ein grauer Freitag, fünf Uhr dreißig morgens, als es in der Dachgeschosswohnung bei Familie Hakopjan an der Tür hämmert. Der Parkplatz vor dem Einfamilienhaus in Nahe (Kreis Segeberg) steht voller Polizeifahrzeuge. Augenzeugen berichten von zwei Mannschaftswagen, mehreren Zivilstreifen und etwa 15 Beamten. Der Grund für den Einsatz: Familie Hakopjan soll Deutschland verlassen. Die Abschiebung wurde im letzten Moment verhindert, doch wie es weitergeht, ist unklar.
Die Eltern Artak und Karine Hakopjan flüchteten 2001 vor dem armenisch-aserbaidschanischen Konflikt nach Deutschland. Sie gilt als voll integriert. Alle drei Söhne sind in Deutschland geboren, sprechen kein armenisch, aber fließend deutsch. Das, was die Familie Hakopjan über den Freitagmorgen schildert, klingt schockierend: Überall sei Polizei gewesen, Vater Artak mit den Händen auf dem Rücken gefesselt in einen der Transporter gebracht worden. Seine Frau Karine ist mit einem Pyjama bekleidet, hatte keine Zeit sich etwas anzuziehen. „Ich stand unter Schock“, erzählt sie. Die Kinder seien von Polizisten geweckt worden. Erik (12) sagt: „Ich dachte erst, alles wäre ein schlimmer Traum. Ein Polizist sagte, dass es jetzt nach Armenien geht.“ Sein jüngster Bruder Roman (6): „Ich hatte furchtbare Angst.“

Kurz vor Abflug

Mit zwei Mannschaftstransportern wurde die Familie zum Hamburger Flughafen gebracht. Das Flugzeug für die Abschiebung stand bereit. Die Gangway wurde an die Maschine herangefahren. Dann die Erleichterung: 20 Minuten vor dem geplanten Abflug wurde die Abschiebeverfügung durch eine Intervention des Familienanwalts ausgesetzt.
Seit 13 Jahren lebt Artak mit seiner Ehefrau Karine in Deutschland. Bis 2009 hatte er Arbeit. Erst einen Ein-Euro-Job, anschließend eine Stelle als Koch in Kayhude. „Dann wurde mir die Arbeitsgenehmigung entzogen. Wir mussten Unterstützung beantragen“, schildert der Familienvater. Ein dauerhaftes Bleiberecht haben sie nie erhalten. Auch ihre in der Bundesrepublik geborenen Kinder nicht. Laut dem Fachdienst für Ausländer- und Asylangelegenheiten im Kreis Segeberg war die Familie immer ausreisepflichtig. Die Hakopjans sollen von der Behörde mehrfach informiert und gebeten worden sein, über die Ausreise nachzudenken. Der Fall soll nun auf Initiative von Lehrerin Petra Nagel vor der Härtefallkommission im Innenministerium Schleswig-Holstein entschieden werden, nach Medienberichten ist nicht vor April mit einer finalen Entscheidung zu rechnen. Nagel, Kreisfachberaterin für Fremdsprachen, sagt: „Die Kinder haben nur die deutsche Sprache gelernt. Es wäre fatal, wenn die Jungs in Armenien ganz von vorne anfangen müssten. Deutschland ist ihre Heimat.“ Um die Hakopjans zu unterstützen, initiierte der Judo-Trainer der Kinder, Michael Mieß, eine Onlinepetition (www.openpetition.de). Bis Redaktionsschluss (10. Februar) beteiligten sich über 7.000 Internet-User.
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 13.02.2014 | 17:18  
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