Ein Engel für Burkina Faso

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Katrin Rohde mit Kindern, um die sie sich in Burkina Faso kümmert Foto: Sahel e.V.

Katrin Rode gibt Waisen- und Straßenkindern eine Zukunft. Lesung am 8. Mai

Norderstedt Mit 44 Jahren verkaufte Katrin Rode ihre Buchhandlung in Plön und wanderte nach Burkina Faso aus, um dort Straßenkindern zu helfen. Über 20 Jahre später ist mit dem Verein A.M.P.O. eine große Spendenorganisation entstanden, die in Ouagadougou Waisen- und Frauenhäuser, eine Krankenstation und eine Landwirtschaftsschule betreibt. Für ihr Werk erhielt die gebürtige Hamburgerin 2001 das Bundesverdienstkreuz. Am Freitag, 8. Mai, liest Katrin Rohde (66) um 19.30 Uhr in Kooperation mit dem Weltladen in der Buchhandlung am Rathaus aus ihrer Autobiografie „Mama Tenga – Mein afrikanisches Leben“. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Wochenblatt: Frau Rohde, warum ausgerechnet Burkina Faso und nicht etwa Hamburg-Wilhelmsburg?
Katrin Rohde: Bei einem Besuch in dem westafrikanischen Land habe ich das Elend der Straßenkinder gesehen, die ein Leben zwischen Hunger, Drogen und Kriminalität führen. In Deutschland wird jeder aufgefangen, in Afrika dagegen kümmert sich niemand um die verlorenen Kinder. Dennoch war ich überwältigt von den Menschen, die in unermesslicher Armut leben, dennoch immer hilfsbereit sind und nie ihr föhliches Wesen verlieren. Diese Erfahrung hat mein Leben umgekrempelt.

WB: Als „Mama Tenga“ – Mutter Vaterland haben Sie über 600 Kindern eine Lebensperspektive bieten können. Einige studieren, viele haben eine Berufsausbildung absolviert. Was geben Sie ihnen mit auf den Weg?
Rohde: Bei A.M.P.O. ermöglichen wir ihnen Schulbildung, gesunde Ernährung und wir erziehen sie zu Bescheidenheit und Selbständigkeit, damit sie später als Erwachsene im Alltag zurechtkommen. Die Kinder waschen ihre Kleidung selber, reinigen die Häuser und ganz wichtig – erledigen ihre Schulaufgaben. 71 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten, zudem stirbt jedes fünfte Kind vor seinem sechsten Geburtstag.

WB: Einer Ihrer Leitgedanken lautet: „Sei mutig, fange es selbst an, dabei helfen wir Dir“.
Rohde: Auch in diesem Sinne vergeben wir Mikrokredite an Frauengruppen, die sich damit kleine Gewerbe aufbauen, um den Unterhalt für ihre Familie zu verdienen. Die Rückzahlungsquote liegt bei stattlichen 98 Prozent!

WB: Rennen Sie mit Ihrer Arbeit immer offene Türen ein?
Rohde: Im Gegenteil, gerade die bürokratischen Hürden sind hoch. Mit der Zeit denke ich jedoch afrikanisch, nehme vieles gelassener und gebe den Dingen Zeit, denn die braucht das Land. Was viele vergessen: Die Gesellschaft ist verglichen mit der westlichen Welt rund 250 Jahre zurück. überlegen Sie mal, wie viel Zeit Europa hatte, um sich zu entwickeln.

WB: 1996 haben Sie das erste Waisenhaus eröffnet. Heute gibt es acht Einrichtungen alle durch Spenden finanziert. Haben Sie gedacht, dass Ihr Projekt jemals so groß werden würde?
Rohde: Nein, das war nie mein Wunsch. Es hat sich aber so entwickelt, weil ich weiß, wie helfen geht. Beharrlich war ich schon immer, konnte es damals nur nicht in die richtigen Bahnen lenken. Die habe ich in Ouagadougou gefunden. Ich gebe den Kindern eine Stimme, um konkrete Hilfe für sie zu erbitten.

WB: Fehlt Ihnen Ihre nord-deutsche Heimat nicht ab und zu?
Rohde: Selbstverständlich, vor allem die satte, grüne Landschaft. Zwei Mal pro Jahr komme ich für jeweils einige Wochen nach Deutschland, halte Vorträge und Lesungen, besuche meinen Sohn in Berlin und versuche, möglichst viele alte Freundinnen zu treffen. Wir nennen es „ZZZ“ – Zwischen zwei Zügen. Die Zeit ist leider oft knapp aber intensiv. (Interview: Claudia Blume)

Weitere Infos: www.sahel.de
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