Ein ganz scharfer Typ

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Messerschärfer Christian Stobbe vor seiner Schleifkutsche. Damit tourt er über die Wochenmärkte Foto: blu

Christian Stobbe beherrscht das alte Handwerk des Messerschärfens

Von Claudia Blume
Norderstedt
Ein findiger Straßengauner wie in der Dreigroschenoper ist Norderstedts „Macky Messer“ nicht – auch wenn er mit potenziellen Tatwerkzeugen hantiert. Dabei ganz professionell, wie sich versteht, denn Christian Stobbe ist Messerschleifer. Mit seiner selbstentworfenen und auffälligen „Schleifkutsche“ bereist er viele Wochen-, Handwerker- und Bauernmärkte in und um Hamburg, kommt zu Gastronomiebetrieben und Seniorenheimen ins Haus.
Jeden Donnerstag macht er von 9 bis 18 Uhr Station auf dem Rathausmarkt in Norderstedt. Besteck- und Fleischmesser, Heckenscheren, Rasenmäherblätter und Beile erhalten mit Hilfe Christian Stobbe rasant rotierenden Bandschleifmaschinen wieder den richtigen Schliff. „Mit einem Wetzstein lässt sich nur der Grat aufstellen, langfristig baut er sich jedoch ab, so dass Messer oder Schere einen komplett neuen Schliff benötigen“, verrät der 47-Jährige mit dem kecken Filzhut. Damit das Ergebnis perfekt ist, braucht es vor allem eines: den richtigen Rhythmus.
Schon als kleiner Junge entdeckte er die Liebe zu scharfen Sachen. Ersten Kontakt gab es bei Vater Wilfried, der ihm in einer Schlachterei die Messer zum Reinigen überließ – „dort wurde mir gleich der bewusste Umgang vermittelt“, sagt Christian Stobbe und blickt auf seine narbenlosen Finger. Den Beruf des Werkzeugmachers hat er erlernt. „Ein schönes altes Handwerk mit edlen und robusten Materialien“, schwärmt der Harksheider. Während er einige Jahre die Welt entdeckte, machte sich sein Vater vor zehn Jahren mit „Willis mobiler Schleifstation“ selbstständig.

A

n die Magnetleiste


Der Sohn folgte dem Beruf seines Vaters vor fünf Jahren und übernimmt ab diesem Frühjahr auch die Wochenmarktplätze des Seniors, der nun mit 71 Jahren in den Ruhestand geht. Der Schnack mit den Kunden, die trubelige Marktstimmung – das macht „Macky Messer Junior“ Spaß. „Manchmal gibt es die Entlohnung sogar in Naturalien“, erzählt der Mann mit dem Spitzbärtchen. Der Fischhändler erhält sein frisch geschärftes Handwerkszeug gegen einen Räucheraal – mancher Jäger bringt auch schon mal eine Rehkeule vorbei. Einen Tipp hat er für alle Küchenfeen und Chefköche: „Küchenmesser niemals in der Geschirrspülmaschine reinigen, denn der hohe Wasserdruck macht sie stumpf – besser von Hand abspülen und an einer Magnetleiste lagern.“
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