Ein Prosit auf den Bier-Experten

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Biersommelier Rajas Thiele zapft ein Glas seines Harksheider Pale-Ale. Davon hat der Tribühne-Chef 600 Liter gebraut Fotos: tj

Tribühnechef Thiele absolvierte Sommelier-Kursus. Sein „65er Harksheider“ gibt es im Ausschank

Von Tina Jordan
Norderstedt. Biersommeliers sind in Schleswig-Holstein rar gesät. Bis vor wenigen Wochen hielt in Lübeck ein Kenner des Gerstensaftes das Alleinstellungsmerkmal. Nun ist ein weiterer in Norderstedt dazu gekommen. Rajas Thiele, Leiter der Tribühne, absolvierte einen Biersommelier-Kursus und ist nun offiziell bestätigter Experte für Bier. Er hospitierte in Brauereien in Salzburg und München und drückte nochmal die Schulbank.

„Das war der erste Klassenraum in meinem Leben, der mit einem Tresen ausgestattet war“, erinnert sich Thiele. 131 Biere habe er während seiner Ausbildung probiert und zum Teil begann die Verkostung morgens um neun Uhr.
Nun bietet der 49-Jährige in Norderstedt Bierseminare für interessierte Genießer an. Während der Laie ein gut gezapftes Bier oft nur daran erkennt, dass der Bierschaum (auch Blume genannt) üppig steht, prüft Rajas Thiele Bier mit mehreren Sinnen.

„Ich verfahre ähnlich wie ein Weinsommelier“, erklärt er. „Der erste Blick gilt der Farbe und Konsistenz, der zweite dem Geruch, der dritte dem Geschmack.“
Die Qualität des Bieres testet Thiele, indem er es in kleinen Schlucken trinkt und dann einen Moment abwartet. „Erst wenn es die Kehle herunterläuft und der Tester es schluckt, entfaltet sich das komplette Aroma“, weiß der Kenner.
Dass Bier nicht nur nach Deutschem Reinheitsgebot, also mit Wasser, Malz und Hopfen gebraut wird, lernte Thiele, als er im Sommelier-Kursus ausländische Biersorten, wie etwa belgischen „Kriek Boon“ probierte.

„Hier fügt der Braumeister nach der ersten Gärung und Reifung Schwarzkirschen dazu“, erklärt der 49-Jährige. „Das Bier reift dann noch einmal für gut vier Monate im Fass und hat am Ende des Herstellungsprozesses einen wunderbar fruchtigen Geschmack und sieht tatsächlich ein bisschen wie Kirschsaft aus.“
Das Bier eigne sich aufgrund seines Geschmackes als Aperitif. Die Geschmacksvielfalt, die Bier haben kann, hat Thieles Einstellung zu diesem Getränk verändert. Einfach nur ein Feierabendbier trinken kann er nicht mehr. Bier ist für ihn zur Leidenschaft geworden, die er nun Interessierten vermitteln möchte.
„Natürlich musste ich mich nach meiner Ausbildung auch einmal an einem eigenen Bier versuchen. Ende Oktober braute Thiele in der Ratsherren Brauerei in Hamburg zwölf Stunden lang mit Braumeister Ian Payle sein 1. Thiele-Bier.

„Es hat 5,6 Prozent Alkohol und wurde in fünf Wochen hergestellt“, sagt der Tribühne-Chef. 600 Liter hat von dem Gerstensaft gebraut, abgefüllt in 0,75 Liter Flaschen ist es nun im Restaurant der Tribühne erhältlich. Bis Mai 2015 ist das 65er Harksheider haltbar. „Ich habe für den Namen des Biers mein Geburtsjahr 1965 vorangestellt und einen Stadtteil von Norderstedt dazu kombiniert“, berichtet Thiele. Bei einem Bier will der Bierprofi es nicht belassen. Weitere sollen folgen.
Das Pale-Ale ließen sich die ersten Gäste bereits schmecken. „Wirklich gut“, sagte Wolfram Dabow und stieß mit Ehefrau Constanze an.
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