Elefantenrunde der Wahlkreiskandidaten

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Diskutierten über Gott und die Welt: Katrin Schmieder (Bündnis 90/Grüne), Miro Berbig (Die Linke), Katrin Fedrowitz (SPD), Gunnar Urbach (Moderator), Katja Rathje-Hoffmann (CDU), Gabriele Heyer (FDP) und Benjamin Freiling (Piraten, von links). Foto: Fuchs

Wahlkampf-Endspurt für die Landtagswahl am 6. Mai in Norderstedt und Umgebung ist eingeläutet

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Ein Raunen ging durch den großen Saal im Albert-Schweitzer Haus, als Gastgeber Gunnar Urbach davon sprach, CDU und FDP würden in den Umfragen „gleichauf liegen“. Die rund 100 erstaunten Besucher, die trotz Champions-League -Liveübertragung gekommen waren, korrigierten den ehemaligen Gartenschau-Pastor sofort. Natürlich meinte Urbach, der selber über seinen Fauxpas schmunzeln musste, einen Wettstreit zwischen SPD und CDU um die meisten Stimmen, während die Liberalen bei der Wahl am 6. Mai eher darum kämpfen müssen, überhaupt wieder in den schleswig-holsteinischen Landtag einzuziehen.
Vor jeder Wahl ist es gute Tradition in der Kirchengemeinde Harksheide, dem Publikum die Direktkandidaten für den Wahlkreis Norderstedt vorzustellen.
Es ist das einzige Podium, wo alle Kandidaten aufeinander treffen. Und so saßen mit dem Kirchenkreis-Pastor Urbach, der die Diskussion leitete, diesmal gleich sechs Kandidaten auf der Bühne: Katrin Schmieder (Bündnis 90/Grüne), Miro Berbig (Die Linke), Katrin Fedrowitz (SPD), Katja Rathje-Hoffmann (CDU), Gabriele Heyer (FDP) und Benjamin Freiling (Piraten).
Das Gesprächsthema dieser „Elefantenrunde“, wie Urbach sie in Anspielung an frühere Fernseh-Großereignisse nach Bundestagswahlen nannte, sollte um die „weichen Themen“ kreisen: also Kinder, Jugend, Familie und Soziales. Und doch drehte es sich in den Statements der Landtagskandidaten immer wieder um die Finanzen, die das hoch verschuldete Schleswig-Holstein nicht hätte und deshalb sparen müsste.
Der einzige, der aus dieser großen Sparzwang-Koalition ausbrach, war Miro Berbig, 47, Fraktionschef der Linken im Norderstedter Stadtparlament. „Unsere Schuldenbremse heißt Vermögens- und Börsen-Umsatzsteuer“, sagte er. Ohne die wohlhabenden Schichten der Bevölkerung und die Finanzjongleure finanziell stärker zu beteiligen, würde das festgelegte Ziel, bis 2020 nur noch ausgeglichene Haushalte vorzulegen nur eines bedeuten: „Den Kommunen wird der Geldhahn zugedreht und ihnen bleibt nichts anderes übrig, als öffentliches Eigentum zu privatisieren.“ Dabei sei genügend Geld im Land vorhanden. „Es ist nur falsch verteilt.“
Bei den Kindergärten war Grünen-Kandidatin Katrin Schmieder im Vorteil. Die frühere Kreiselternsprecherin für Kitas wusste am besten Bescheid, wo es da hakt. „Das Schulgeld für die Erzieherinnen-Ausbildung macht den Beruf unattraktiv.“ Das müsse abgeschafft werden. Darin war sie sich mit Katrin Fedrowitz einig. „Wir brauchen eine kostenlose Ausbildung und die Frauen ein angemessenes Gehalt“, forderte Norderstedts SPD-Vorsitzende.
Keine Übereinstimmung gab es dagegen zwischen Rot und Grün bei der Frage nach dem kostenlosen Kindergartenjahr: Die SPD will dies für ein Jahr in den nächsten fünf Jahren einführen.
Die Grünen wollen diese 30 Millionen Euro, die das dem Land kosten würde, in den Krippenausbau investieren.
Bei der FDP kommt das Thema Kinder erst in Kapitel 17 im Wahlprogramm vor, hielt Urbach Gabriele Heyer vor, die nur mit den Achseln zuckte: „Wir haben kein Geld.“
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