Er rockt den Schweinestall

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Der Tangstedter mit einem Werkstück in der Hand (oben). Andrew Newton in seiner Tangstedter Werkstatt beim Zuschneiden eines Gitarrenkörpers (rechts) Fotos: blu

Andrew Newton baut in Handarbeit Akkustikgitarren. Instrumente in der Branche begehrt

Von Claudia Blume
Tangstedt Liebevoll streicht Andrew Newton über den sonnengelben Gitarrenkörper – gerade ist sein neues Meisterwerk fertig geworden.
Im Keller eines ehemaligen Siedlerhäuschens in Tang-
stedt entstehen seit 16 Jahren handgefertigte Musikinstrumente, die in der ganzen Welt gefragt sind. In der Werkstatt von „Newton Guitars“ duftet es nach würzigem Holz. Feines Sägespanmehl bedeckt die Sägebank und penibel geordnet hängen viele Werkzeuge an der Wand. Fünf Gitarren sind gerade im „Rohbau“.

„Zwischen 40 und 320 Arbeitsstunden brauche ich für jedes
Instrument“ Andrew Newton


„Zwischen 40 und 320 Arbeitsstunden brauche ich für jedes Instrument“, erklärt der 54-Jährige, der für seine Präzision bekannt ist. So attestiert ihm nicht nur Sven Waje, Gitarrist der deutschen Band „Fettes Brot“ hochwertige Qualitätsarbeit: „Meine NX Custom ist eine der besten Gitarren, die ich jemals in den Händen hatte.“ Zum Instrumentenbau ist Newton eigentlich aus der Not gekommen. Mit 15 Jahren bekam er von seinem Vater eine alte Wandergitarre, „die klang grottenschlecht und so habe ich an ihr herumgebastelt.“

Jede Holzart hat ihren besonderen Klang

In den kommenden Jahren vervollkommnete der Brite
die „Bastelei“. Das sprach sich erst im Freundeskreis, dann
in der Musikszene in Hamburg herum, wohin es den Briten nach etlichen Abstechern in der Welt verschlagen hatte. Große Summen waren davon nicht zu verdienen und so arbeitete er als Typograph und später als „hohes Tier in der Hardware-Branche“. Auch wenn die Zeit fehlte, so blieb die Liebe zur Gitarrenherstellung. Als vor sechs Jahren Söhnchen Ziggy auf die Welt kam, entschied Newton, den Lebensunterhalt für seine kleine Familie fortan mit dem Instrumentenbau zu bestreiten. „Und es funktioniert“, sagt einer, der von ganzem Herzen Papa ist. 1.500 bis 10.000 Euro kostet ein Newton-Unikat, individuell nach den Wünschen des Kunden gefertigt. In den ehemaligen Schweinestall – heute ein dreifach gedämmter Proberaum – kommen Musiker aus aller Welt, um ihr Wunsch-Instrument gestalten zu lassen. Ob Palisander, finnische Birke, Katalox (mexikanisches Ebenholz), Sumpfesche, Ahorn oder Honduras-Mahagoni, „das beste Holz der Welt“ – jede Holzart hat ihren besonderen Klang. Und nicht nur das: „Stehende Jahresringe im Holz lassen den Ton härter klingen als liegende“, erklärt der Fachmann, der vor allem eines möchte: Zeitlos elegante, leicht bespielbare Gitarren bauen, die durch ihre Tonqualität und Komfort überzeugen und sich ihrem Spieler anpassen. Er selber kommt leider viel zu selten zum Musik machen, denn die Aufträge und Sohn Ziggy gehen nun mal vor. Doch dann stöpselt Andrew Newton das Verstärkerkabel an die sonnengelbe E-Gitarre, rockt den alten Schweinestall und freut sich über sein neues Meisterstück.
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