Extravagante Särge aus Afrika

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Bestattungsunternehmer Sönke Wulff möchte mit seinen Aktionen zum 100-jährigen Bestehen des Betriebes das Gespräch über das Tabu-Thema Tod erleichtern.

Bestattungsunternehmen Wulff & Sohn feiert mit ungewöhnlichen Aktionen

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt. Andere Kulturen, andere Sitten. Wie bunt und extravagant die Menschen in Ghana ihre Toten bestatten, können an der Nachwelt interessierte Besucher jetzt in den Räumlichkeiten des Beerdigungsinstituts Wulff & Sohn in der Segeberger Chaussee 48 - 50 in Norderstedt hautnah erleben. Firmeninhaber Sönke Wulff hat dort 18 Särge aus Afrika ausgestellt. Statt der hierzulande gebräuchlichen, quaderförmigen Holzkästen aus Eiche handelt es sich dabei um aufwändig gefertigte Handarbeiten. Da wird der Stammeshäuptling in bunt verzierten, wahren Kunstwerken bestattet, die die Form eines Vogels, Adlers, Schmetterlings, Löwen oder Hummers hat. Sogar Särge, die kleine Flugzeuge oder übergroße Turnschuhe darstellen, sind dort von 11 bis 19 Uhr ohne vorherige Anmeldung zu bestaunen. Dazu hat Wulff die Räumlichkeiten von Schulkindern bunt anmalen und mit Sprüchen über das Sterben beschreiben lassen. Und er zeigt Originalbilder von Trauerfeiern aus Afrika. Anlass ist das 100-jährige Bestehen des Unternehmens, das sein Großvater Friedrich Wulff hier im Jahre 1912 im äußersten Süden von Harksheide gegründet hat. Damals waren die Möbeltischler zugleich auch oft die Totengräber. Die Ausstellung ist jetzt noch bis zum 15. Juni in den Räumen des ehemaligen Möbelhauses zu besichtigen. Außer der skurrilen Sarg-Show aus dem schwarzen Kontinent sowie dem Malwettbewerb für Schulklassen bietet der pfiffige Jubiläums-Unternehmer Lesungen, Vorträge, Musik, eine weitere Kunstausstellung und im November sogar eine Theateraufführung in seinen Räumlichkeiten an. Dann wird die Komödie „Kreuzfahrt in den Sonnenuntergang des Lebens“ aufgeführt, bei der es auf lustige Art und Weise um einen Mord in einer Senioren-Residenz geht.„In unserer Gesellschaft wird der Tod oft verdrängt, nicht darüber geredet“, erklärt Sönke Wulff diese Aktionen, der das Unternehmen seit 1997 in dritter Generation leitet und zwölf Mitarbeiter beschäftigt. „Ich möchte, dass die Menschen die Scheu davor verlieren und sich mit diesem Thema ganz normal beschäftigen“, sagt er.
Bei den Kunst-Workshops mit den Grundschulkindern war er überrascht, wie offen die Kinder mit dem Tabu-Thema Tod umgehen. „Die waren alles sehr kreativ und hatten wirklich Spaß dabei, die Wände anzumalen und mit Sprüchen zu versehen.“ Ein Schüler war fest davon überzeugt, dass die verstorbene Oma auch im Himmel in einem Swimming-Pool baden kann. (bf)
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