Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

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Zweimal pro Woche hilft der 29-jährige Syrer Wardan in der Kleiderkammer des DRK beim Sortieren von Pullovern, Hosen, Jacken und Schuhen Foto: blu

„Eine Aufgabe ist besser als zu warten“. Freiwilliger Einsatz ist bisher jedoch nicht geregelt

Von Claudia Blume
Norderstedt
„Das ist meine neue Familie“, sagt Wardan und deutet auf die vielen fleißigen Helfer, die an diesem Morgen in der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes riesige Berge an Pullis, Jacken und Hosen sortieren, stapeln und wegräumen. Der Syrer packt selber kräftig mit an, schleppt Säcke und Kartons. „Hier habe ich etwas Sinnvolles zu tun. In meiner Unterkunft fällt mir doch nur die Decke auf den Kopf“, sagt der 29-jährige Jura-Student. „Vor fünf Wochen kam Wardan zur Einkleidung nach Garstedt und fragte gleich, ob er mithelfen könnte“, erinnert sich DRK-Vorstand Christoph von Hardenberg und betont: „Bei uns ist jede helfende Hand willkommen.“ Ehrenamtliche Tätigkeiten und Flüchtlinge zusammenzubringen, dieser Vorschlag hat es auch bei der Beteiligung zum Bürgerhaushalt 2016/17 unter 286 Ideen auf Platz eins geschafft.
Was einfach klingt, ist jedoch kompliziert: „Es gibt derzeit keine einheitliche Rahmenregelung, auch wenn ehrenamtliches Engagement in der Regel nicht genehmigungsfähig ist“, erläutert Rolf Meenen, Leiter der Ausländerbehörde in Bad Segeberg, „dennoch müssen Ausländerbehörde und Bundesanstalt für Arbeit im Einzelfall prüfen, ob es einen interessierten Bewerber aus dem EU-Raum gibt, der Vorrang für diese Tätigkeit hat.“ Gleiches gilt übrigens auch für unentgeltliche Praktikumsplätze. Wichtig sei bei bei dem, das weder Eingliederung in einen geregelten Arbeitsablauf noch Weisungsgebundenheit bestehen. „Ich würde mir allerdings wünschen, dass dieses Thema möglichst schnell entschärft und eine bundesweite Regelung gefunden wird“, fügt Meenen hinzu. Viele Vereine und Verbände sind dennoch offen für die Einbindung von Asylsuchenden. „Bei uns hatte sich ein junger Sportpädagoge aus Syrien gemeldet, der beim Fußball- und Basketballtraining assistieren wollte. Gerne hätten wir ihn mit Kusshand genommen, leider kamen wir aus zeitlichen Gründen doch nicht zusammen“, sagt Andrea Mordhorst. Die Vorstandsvorsitzende von TuRa Harksheide kann sich gut vorstellen, künftig interessierte Bewerber mit entsprechender Qualifikation sogar als Trainer ausbilden zu lassen. Auch Norderstedts Integrationsbeauftragte begrüßt solche Vorhaben. „Für die Flüchtlinge strukturieren ehrenamtliche Tätigkeiten ihren oftmals eintönigen Alltag. Sie bekommen Kontakt zu deutschen Bürgern und können unserer Gesellschaft, die sich mit viel Engagement um sie kümmert, etwas zurückgeben“, sagt Heide Kröger. „Was wir brauchen, sind keine bürokratischen Hürden, sondern motivierte Menschen, die sich schnell integrieren dürfen.“ Bedarf an ehrenamtlicher Unterstützung durch Flüchtlinge sieht sie neben Kleiderkammer, Tafel und Sport auch im Bereich der Nachhilfe für die vielen neuen Schüler, die an Norderstedts Schulen lernen.
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