Gute Bilanz, trübe Aussichten

Anzeige
Katja Zenk (WBV) (v.l.), Klaus Bostelmann (VHS), Birgit Harpering (FBS), Annerose Petersen (WBV), Elisabeth Hartojo (adasoft) und Jochen Brems (VHS) Foto: Fuchs

Weiterbildungsverbund steht auf der Kippe, weil Fördermittel gestrichen werden

Norderstedt/Bad Segeberg. Der Weiterbildungsverbund (WBV) Norderstedt/Segeberg leistet ausgezeichnete Arbeit und steht doch auf der Kippe. Diese zweischneidige Bilanz zogen jetzt WBV-Leiterin Annerose Petersen und Norderstedts Volkshochschulleiter Klaus Bostelmann. So sei der WBV, dem 28 Organisationen zur beruflichen Weiterbildung im Kreis Segeberg angehören – darunter die VHS in Norderstedt und Henstedt-Ulzburg sowie die Beratungsstellen Frau und Beruf, die Kreishandwerkerschaft, das
evangelische Bildungswerk und das regionale Berufsbildungszentrum des Kreises – gerade vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) für seine gute Arbeit gelobt worden.
„Bundesweit vorbildlich“
Dennoch stehe der Verbund vor dem Aus, weil das Land Schleswig-Holstein seine jährliche Förderung in Höhe von 140.000 Euro zum Jahresende einstellen will, weil auch die EU-Fördergelder dafür sinken. „Wir hängen in der Luft“, ärgert sich Annerose Petersen. „Dabei gilt gerade unser in jahrzehntelanger Arbeit gewachsenes Netzwerk hier als bundesweit vorbildlich.“ Und Bostelmann wundert sich, dass eine so bewährte Struktur zerschlagen werden soll.
„Was wäre denn die Alternative? Wieder isolierte Beratungsstellen.“ Das könne doch keiner wollen, zumal es zum Nachteil der Teilnehmer, insbesondere der Migranten wäre, die diesen Verbund gerne nutzen, weil ihnen passende Sprach- und Weiterbildungskurse für ihre berufliche Qualifikation vorschlagen werden.
Annerose Petersen drückt die Arbeit des Verbundes mit drei Mitarbeitern in Zahlen aus. 2012 seien 1242 Menschen, davon 270 aus Norderstedt, beraten worden. 547 von ihnen (146 aus Norderstedt) waren Einwanderer. Die meisten Ratsuchenden sind zwischen 26 und 45 Jahre alt und überwiegend beschäftigt. Migranten hätten nur zu 45 Prozent eine Beschäftigung, wenn sie in die Beratung kämen.
Sie nennt auch ein typisches Beispiel: Eine Frau möchte sich als Tagesmutter selbstständig machen und fragt, wo und wie sie sich dafür qualifizieren kann. Der WBV schlägt ihr vor, sich an die Familienbildungsstätte zu wenden oder den Weiterbildungskurs „Frühpädagogik“ bei der VHS zu belegen, um dann eine Prüfung für Erzieherinnen in Neumünster zu machen. Sie entscheidet sich für letzteres.
Aber auch die freie Wirtschaft nutze den WBV wie eine Firma aus Kaltenkirchen, die spezielle Deutschkurse für ihre Mitarbeiter suchte und die Weiterqualifikation zum Fachbauleiter buchte.
Kursangebote für
Langzeitarbeitslose
Auch das Zusammenspiel mit den Jobcentern, die Bildungsgutscheine für Langzeitarbeitslose ausgibt, klappe im Interesse der Betroffenen reibungslos. Henstedt-Ulzburgs VHS-Leiter Jochen Brems sagt: „Eine solche Beratungsstruktur aufzugeben, wäre unökonomisch. Hier wird für relativ wenig Geld effiziente Arbeit geleistet.“ (bf)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige