Hilfe für Kinder aus suchtbelasteten Familien

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Die „Kleinen Riesen“ unterstützen Familien dabei, mit der Sucht der Eltern klarzukommen. Man soll offen darüber reden und dazu stehenFoto : now

Norderstedter Beratungsstelle kümmert sich um die „Kleinen Riesen“

Norderstedt. „Ich habe meiner Tochter verboten, mit anderen über uns zu reden“, erzählt Ina S. (Name von der Redaktion geändert). Sie tat das aus Scham und aus Angst davor, was andere Leute über sie denken. Ihre Tochter war noch klein, als Ina zu trinken begann. Mit dem Verbot nahm Ina ihrer Tochter eine wichtige Chance, mit der Sucht der Mutter umzugehen.
Schon seit mehreren Jahren ist Ina jetzt trocken. Mit der Erkenntnis sich selbst helfen zu lassen kam auch die Einsicht, dass die Tochter Unterstützung braucht. Und damit war der Schritt zu den „Kleinen Riesen“ nicht mehr weit. Die Fachstelle der ATS Sucht- und Drogenberatungsstelle kümmert sich seit 2009 auch in Norderstedt um Kinder aus Familien mit Suchterfahrung. In drei altersgerechten Gruppen von fünf bis 18 Jahren werden Gespräche geführt und die Kinder professionell betreut.
„Es ist ganz wichtig für die Kinder, zu lernen, darüber zu sprechen“, sagt Projektleiterin Astrid Mehrer. Bei einem wöchentlichen Treffen können sie in verschiedenen Gruppenaktivitäten die negativen Geschehnisse verarbeiten.
Meist sind es die Eltern selbst, die den Kontakt zur Beratungsstelle suchen. Die Sucht- und Beratungsstelle betreute 2013 480 Menschen in Norderstedt in Gruppen oder Einzelarbeit. Davon immerhin 80 Kinder.
„Jedes achte Kind“, so schätzt Dr. Hans-Jürgen Tecklenburg, Leiter der ATS Süd, „wächst in einer Familie auf, in der ein Elternteil oder sogar beide alkoholkrank sind. Während manche Kinder gut mit der Situation klarkommen, brauchen etwa ein Drittel der Kinder und Jugendlichen Unterstützung.“ Schulprobleme oder Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu Depressionen oder
gar Selbstmordgedanken zeigen die hohe Belastung für den Nachwuchs von Alkoholkranken. Die Sucht der Eltern nach außen zu verheimlichen, erhöht den Druck auf die betroffenen Kinder weiter. Die Angst vor Ausgrenzung im Alltag führt die Familien in eine Spirale des Schweigens, wie Astrid Mehrer in vielen Gesprächen erfahren hat. Um diese Spirale zu durchbrechen, veranstaltet die ATS am 12. Februar von 14 bis 19.30 Uhr eine Fachtagung mit dem Thema „Suchtbelastete Familien – Zusammenleben lernen“. Neben Fachkräften ist die Tagung auch für Menschen gedacht, die in ihrem Umfeld Familien unterstützen möchten, ob als Nachbarn, im Verein oder anderen Institutionen. Informationen unter www.ats-sh.de. Anmeldung bis 7. Februar an sucht.nor@ats-sh.de. (now)
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