In der Kita Quickelbü sprudeln die Ideen

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Sie haben den Preis gewonnen: Pit, Linda, Axel, Julian, Alexander, Jakob, Liska, Henri, Marisa und Maurice mit Kita-Leiterin Susanne Zink und den Projektleiterinnen Christina Frank und Yasemin Baykiz (hinten von links) vom Kinderhaus Quickelbü. Foto: Fuchs
 
Jakob, Liska und Henri bringen mit Backpulver einen Luftballon zum Platzen Fotos: Fuchs

Kindertagesstätte als ausgewählter Ort für bundesweite Initiative Land der Ideen ausgezeichnet

Von Burkhard Fuchs
Quickborn. Film ab im Kinderhaus Quickelbü! Spontan, witzig und überaus kreativ erklärten Pit, Linda und ihre acht Freunde vom Projekt „Weltwissen“ ganz locker vor der Kamera, was sie da alles gemacht und gelernt haben. Kita-Leiterin Susanne Zink ließ diese telegenen Beschreibungen wie bei der früheren Dingsda-Sendung aufzeichnen und so zusammenschneiden, dass das prominente Publikum um Bürgermeister Thomas Köppl seinen Spaß hatte.
Damit ist der Quickborner Kindergarten von der bundesweiten Initiative „Land der Ideen“ jetzt zu einem der „365 ausgewählten Orte“ in Deutschland gekürt worden. Aus 2000 Bewerbungen wählt dieser Verein unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, beispielhafte Projekte aus, die vorbildlich für ganz Deutschland sein sollen.
Das Kinderhaus Quickelbü, in dem 127 Kinder mit und ohne körperliche oder geistige Beeinträchtigungen und Lernschwächen integrativ betreut werden, geht seit Jahren ungewöhnliche Wege. So lernten die Kinder vor ein paar Jahren auf ganz spielerische Art den Umgang mit Maus und Computer beim Projekt „Surfen und Gurgeln“ kennen. Und seit sieben Jahren läuft das Projekt „Weltwissen“, das sich Leiterin Susanne Zink ausgedacht hat und nun bundesweite Beachtung gefunden hat.
Jedes Jahr wird aus den älteren Kindern, die kurz vor der Einschulung stehen, eine zehnköpfige Gruppe gebildet, die sich das Projekt unter Anleitung der Erzieherinnen Christina Frank und Yasemin Baykiz praktisch selbst erarbeiten, erklärt die Kita-Leiterin. Sie stellen eine Unmenge an Fragen, beratschlagen und diskutieren abgeregt, was sie am meisten interessiert, und daraus entwickelten sich dann Exkursionen und Experimente. Da fahren die wissensbegierigen Kinder ins Helms-Museum nach Harburg, um sich über die Eiszeit zu informieren, besuchen die frühere Wikinger-Hochburg Haithabu an der Schlei, schauen bei einer großen Bäckerei in Bönningstedt den Bäckern beim Brotbacken über die Schulter oder fühlen ihrer Erzieherin im wahrsten Sinne des Wortes auf den Zahn, als diese auf dem Stuhl eines Zahnarztes festsitzt. Ihren Kindergarten verwandeln sie regelmäßig in ein Physik-Labor, wenn sie mit Backpulver und Wasser einen Luftballon zum Platzen bringen, experimentell feststellen, dass Öl leichter als Wasser ist, oder lassen Rosinen mit Sprudelwasser tanzen.
„All das ist eine spitzentolle Idee“, schwärmte Projektleiterin Cristina Janitz, die es sich nicht nehmen ließ, den Land-der-Ideen-Preis selbst aus Berlin nach Quickborn zu bringen, was sie nur bei jenen ein, zwei Projekten im Monat mache, die sie selbst hervorragend finde, wie sie hinterher verriet. „Das, was die Kinder hier machen, ist so gut, dass es Vorbildcharakter fürs ganze Land hat. Da kann ich nur ‚Wow’ sagen. Die Kinder lernen bereits vor der Schule sehr viel über unsere Welt kennen.“ Auch Thomas Brinkmann, Filialleiter der Deutschen Bank in Pinneberg, die die Initiative der Bundesregierung ideell unterstützt, war ganz begeistert: „Unser Rohstoff und unsere Energie in Deutschland sind unsere Kreativität und unsere Ideen. Wenn ich das hier sehe, wird mir um die Zukunft nicht bange. Ihr seid eine pfiffige Generation von morgen. Bleibt so neugierig und fragt einfach immer nach.“ Im Film sah das dann oft sehr lustig aus. Da erzählte Jakob dem staunenden Publikum, dass die Kinder den Eiszeit-Ötzi in der Mikrowelle aufgetaut hätten, und musste selber über diesen Scherz lachen. Und Julian berichtete über die leckeren Kekse, die sie beim Bäcker probiert hätten und die er seitdem immer von seinen Eltern kaufen lasse. „Wir sind sehr stolz auf diese Auszeichnung“ freut sich Kita-Leiterin Susanne Zink. „Die Kinder sind begeistert bei der Sache.“ Aber selbst die wissbegierigsten Kinder wollten auch mal ihre Ruhe und Pausen haben, erfuhren sie und ihre Kolleginnen schnell. „Das war das erste, was wir gelernt haben.“ Den Film, der das jahrelange Projekt jetzt zur preiswürdigen Vorzeige-Idee machte, habe ihr Bekannter Ben Doormann gemacht. Der ist Cutter beim NDR und sollte ihr ursprünglich beim Schneiden ihres Films helfen, erzählt Susanne Zink. „Lass mich mal machen“, sagte der Profi und nun steht Quickelbü deutschlandweit für ein ausgezeichnetes Projekt. Und das Quickborner Bildungsprojekt „Wer nicht fragt, bleibt dumm“ kann sogar noch einen Preis einheimsen und Publikumssieger werden. Dazu müssen bis zum 21. August ganz viele Leute im Internet ihre Stimme für Quickelbü abgeben. (bf)
http://www.land-der-ideen.de
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