„Kanal-Fernauge“ kontrolliert Unterwelt

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irk Meyer von Hamburg-Wasser: Wir untersuchen das Kanalnetz Zentimeter für Zentimeter und teilen es in vier Schadensklassen ein.

Bönningstedts 60 Jahre alte Kanalisation muss saniert werden

Bönningstedt. Die Gemeinde Bönningstedt wird in den nächsten Jahren viel Geld in die Sanierung ihres Regenwasserkanals stecken müssen. Unklar ist noch, ob dies aus Steuermitteln oder über eine neue Niederschlagsgebühr finanziert werden soll.
Die Hamburger Stadtentwässerung (HSE), der Bönningstedt bereits ihr Schmutzwassernetz zur Wartung und Pflege übertragen hat, untersucht dazu gerade stichprobenhaft den Zustand des rund 60 Jahre alten Oberflächenwasser-Leitungsnetzes. Von dieser Analyse will die Gemeindevertretung das weitere Vorgehen abhängig machen.
Bei einer Gebühr kämen nach Expertenschätzungen auf einen Einfamilienhaus-Besitzer in der Regel etwa 80 bis 100 Euro im Jahr zu. Diese berechnet sich nach der versiegelten Fläche der jeweiligen Grundstücke.
Aber soweit ist Bönningstedt noch nicht. Zwei Stunden lang löcherten die Politiker jetzt die Ingenieure Bernd Zacharias und Lars Christiansen von Hamburg Wasser, der Muttergesellschaft der HSE, die 5400 Kilometer Siele von ganz Hamburg und 28 Umlandgemeinden betreut. „Wenn etwas passiert, steht die Gemeinde schon heute in der Haftungspflicht“, beschrieb Zacharias die aktuelle Rechtslage.
Eine erste Untersuchung von einem Kilometer Leitungsnetz hätte Sanierungskosten von 70.000 Euro ergeben. Hochgerechnet auf 20 Kilometer wären das 1,4 Millionen Euro, mehr als 300 Euro je Bürger, erschraken sich die Kommunalpolitiker.
Bevor sie nun der HSE auch ihr Regenwassernetz übertrügen, wollten sie „schwarz auf weiß“ und möglichst genau wissen, was da wirklich auf sie und ihre Bürger zukäme, forderten die Fraktionschefs Willi Werner und Rolf Lammert von SPD und CDU unisono.
Deshalb ist zurzeit der Ver- und Entsorgungsexperte Dirk Meyer mit einem Spül- und Kamerawagen der HSE im Ort unterwegs. Fünf Kilometer, ein Viertel des Leitungsnetzes, werde nun Zentimeter für Zentimeter mit dem „Kanal-Fernauge-Operator“ abgefahren, auf Film gebannt und inspiziert. So ließe sich ganz genau feststellen, in welchem Zustand die Leitungen sind, ob sie bereits Leckagen aufweisen und ausgetauscht werden müssen, sanierungsbedürftig oder noch gebrauchsfähig sind.
Dazu muss zunächst der zu untersuchende Kanal gereinigt werden, erklärt Meyer. Anschließend lässt sein Mitarbeiter Fabian Gesterling die fahrbare Rundumkamera in den Schacht hinab, die nun per Joystick einige Hundert Meter weit in alle Richtungen gesteuert werden kann. Ein Teilstück des Betonrohrs mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern und einer Dicke von sechs Zentimetern unter der Kieler Straße stellte sich dabei als noch voll funktionstüchtig heraus.
Ob diese Momentaufnahme auch für die übrigen Leitungen gilt, wird die Untersuchung zeigen. Fachmann Meyer wird die Daten an die hauseigenen Ingenieure weiterleiten, die daraus eine Einteilung in vier Schadensklassen machen und die Kosten ermitteln. (bf)
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